Ausbildung

Ein Pfleger für alle

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Thomas Vitzthum

Die Bundesregierung will die Ausbildung vereinheitlichen. Praxisphasen werden kürzer

Nach langen Diskussionen soll nach dem Willen der Bundesregierung die Pflegeausbildung vereinheitlicht werden: Kranken-, Kinderkranken- und Altenpfleger wäre ein einheitlicher Beruf. In diesem Sommer soll der Gesetzentwurf vorliegen. Während im Moment in jedem der Berufe drei Jahre bis zum Examen vergehen, sollen in Zukunft in derselben Zeit alle zugleich erlernt werden. „Das ist der ganz falsche Weg. In Anbetracht von immer mehr Anforderungen brauchen wir eine Diversifizierung, keine Vereinheitlichung“, sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste. „Wir kämpfen um jede Pflegekraft. Die generalisierte Ausbildung wird den Engpass noch verschärfen.“

Während der generalisierten Ausbildung würden die Praxisphasen in den jeweiligen Einrichtungen deutlich kürzer ausfallen als bisher. Im Moment muss ein Altenpfleger 2100 Theorie- und 2500 Praxisstunden absolvieren. In dieser Zeit ist es möglich, Beziehungen zu den Bewohnern aufzubauen. Für die Altenpfleger ist das ein zentrales Element ihres Berufs. Mit der Generalisierung würde die bisherige Stundenzahl unter den drei Berufen aufgeteilt. Für die Praxis im Altenheim blieben zwischen zwölf und 14 Wochen. „Stabile Beziehungen zu den Heimbewohnern aufzubauen und auch eigene Schwellenängste zu überwinden, das ist in dieser kurzen Zeit kaum möglich“, sagt Beate Swoboda, stellvertretende Leiterin der Stiftung Sozialpädagogisches Institut in Berlin.

Opposition ist unzufrieden

Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Elisabeth Scharfenberg, teilt diese Sicht: „Wenn drei Berufe zukünftig in einer Ausbildung vermittelt werden, dann bleibt dabei zwangsläufig Fachwissen auf der Strecke – oder die Ausbildung muss länger dauern.“ Die Grünen favorisieren eine integrierte Ausbildung: Eineinhalb bis zwei Jahre lernen alle Auszubildenden gemeinsam, dann folgt die jeweilige Spezialisierung. „Die spezifischen Kenntnisse müssen berufsbegleitend erworben werden. Das könnte dazu führen, dass Berufseinsteiger geringer bezahlt werden als heute.“

Die Berufsverbände, die vornehmlich die Seite der Krankenpflege vertreten, stellen sich dagegen hinter die Pläne, sie versprechen sich davon eine bessere Bezahlung und eine Aufwertung ihres Berufs. Mehr Kenntnisse, mehr Geld, so die einfache Formel. Sie hoffen zudem, dass die Berufstätigen die Flexibilität als Chance begreifen und sich mehr Bewerber finden. In Anbetracht des demografischen Wandels fürchtet man einen erheblichen Pflegermangel.

Allerdings können Krankenpfleger auch heute schon im Altenheim arbeiten. In der Regel tun sie es aber nicht. Auch weil die Einkommen von Altenpflegern oft unter denen von Krankenpflegern liegen. Für Altenpfleger ist heute umgekehrt ein Einsatz im Krankenhaus ohne zusätzliche Qualifikation nicht möglich. Die Grünen fordern Änderungen: „Wenn altenpflegerische Kompetenzen zunehmend auch im Krankenhaus gefragt sind, etwa wegen an Demenz erkrankter Patienten: Warum stellt man dann nicht eine Altenpflegerin ein?“, fragt Scharfenberg. Schließlich müssten die Pflegekräfte besser bezahlt werden, um den notwendigen Nachwuchs zu bekommen.

Es gibt aber auch Zweifel

In der CDU gibt es ebenfalls Zweifel. Dies betrifft vor allem die Altenpflegehelfer. Sie sind eine wichtige Stütze der Altenpflege, denn viele entscheiden sich nach einigen Jahren als Pflegehelfer für eine Ausbildung zum examinierten Altenpfleger. Deshalb sind angehende Altenpfleger oft älter und haben Berufserfahrung. Junge Schulabgänger entscheiden sich in der Regel für die Krankenpflege.

Dem würde die generalisierte Ausbildung allerdings nicht gerecht, befürchtet Erwin Rüddel, pflegepolitischer Sprecher der Union im Bundestag: „Die Krankenpflege wird immer ihre Leute finden. Wenn wir keine Lösung für die Altenpflegehelfer finden, bekommen wir in der Altenpflege ein erhebliches Defizit.“