Kommentar

Kein Grund zum Jubeln

Christian Unger über die Einführung der Frauenquote

Nun feiern sie also die Frauenquote, als hätten sie gerade die Rezeptur gegen Hunger in der Welt gemixt. Justizminister Heiko Maas nennt das neue Gesetz den „größten Beitrag zur Gleichberechtigung seit Einführung des Frauenwahlrechts“. Familienministerin Manuela Schwesig spricht von einem „historischen Schritt“, pünktlich zum Weltfrauentag am Sonntag. Soweit die ministeriale Eigenwerbung. Den Erlass eines Zwangs sollte niemand feiern. Der staatliche Eingriff in unternehmerische Freiheit, ja sogar in die Geschlechterpolitik, kann nur die letzte Ausfahrt einer gesellschaftlichen Irrfahrt sein. Eine Quote ist wie ein politisches Pflaster. Man kann hoffen, dass es das Bluten vorerst stoppt. Die Wunde heilen kann ein Pflaster nicht.

Ist die nun vom Bundestag verabschiedete Frauenquote notwendig? Absolut. Dass sich Unternehmen eigenständig bessern, hat nicht funktioniert. Selbst Schuld. Reicht die Quote? Keinesfalls. Worüber reden wir: über eine Quote von 30 Prozent Frauen (nicht 50 Prozent). Das gilt nur für Aufsichtsräte, und nur für Großunternehmen. Diese Quote ist eher ein Quötchen und war in der Großen Koalition der einzig gangbare Kompromiss.

Zunächst halten wir fest: Frauen sind noch immer im Beruf schlechter gestellt. Sie verdienen weniger. Und je höher die Karriereleiter in Unternehmen steigt, desto weniger Frauen sitzen dort. Die Quote kann die Chancengleichheit voranbringen. Sie ist aber nur ein Schritt. Sie hilft, um Frauen in Managerpositionen in kurzer Zeit zur Normalität zu machen. Wo Frauen führen, werden auch mehr Frauen auf den mittleren und unteren Ebenen einer Firma eingestellt. Weibliche Eliten können Vorbilder sein. Mit der Frauenquote wird auch die Vereinbarkeit von Familie und Karriere wachsen. Frauen mit Kindern machen immer noch seltener Karriere. Wenn Chefinnen künftig bald per Gesetz häufiger sind, darf die Konsequenz nicht mehr sein, dass sie auf Kinder verzichten. Da zeigt sich leider auch die Grenze der Quote. Sie wirkt nur nachhaltig, wenn der Rahmen stimmt: Kinderbetreuung muss gestärkt werden. Auch die Möglichkeit, eine Abteilung in Teilzeit zu führen oder an manchen Tagen von zuhause aus. Dies muss in der Unternehmenskultur gefördert werden. Wer es ernst meint mit der Chancengleichheit der Geschlechter, muss eigentlich eine Mütterquote fordern. Das hilft auch Männern, die gern mehr Zeit mit der Familie verbringen möchten. Wenn die Mutter managt, spielt der Vater Fußball mit der Tochter.