Krankheit

„Ich möchte ewig schlafen dürfen“

Eine 14-jährige Chilenin bittet in einem Facebook-Video die Staatspräsidentin um Sterbehilfe

Valentina Maureira will nicht mehr leiden müssen. Die kleine Chilenin ist erschöpft von der tückischen Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose. Nach fünf Operationen fühlt sie sich inzwischen zu schwach, um weiter kämpfen zu können. Sie will sterben. In einem dramatischen Appell bat sie die chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, ihr die Erlaubnis zu erteilen, „ewig schlafen zu dürfen“.

Die Präsidentin könne die Erlaubnis zu einer Injektion erteilen, um sie zu erlösen. „Ich bitte dringend darum, mit der Präsidentin sprechen zu dürfen“, sagt Valentina Maureira in einem Video, das sie offenbar selbst im Krankenbett gefilmt und auf Facebook hochgeladen hat. „Ich bin müde, mit dieser Krankheit zu leben.“ Das Video ist in den sozialen Netzwerken bislang fast eine halbe Million Mal aufgerufen worden.

Doch Chiles Regierung lehnt den emotionalen Antrag auf Sterbehilfe ab. Präsidentensprecher Álvaro Elizalde begründete das mit der geltenden Rechtslage, nach der aktive Sterbehilfe verboten ist. Das chilenische Gesetz erlaube es der Regierung nicht, eine Anfrage dieser Natur zu gestatten, sagte er.

Elizalde räumte ein, es sei schwer gewesen, „bei der Bitte des Mädchens nicht von Emotionen überwältigt zu werden“. Dennoch könne der Wunsch nicht erfüllt werden. Das Gesundheitsministerium stehe in ständigem Kontakt mit der Familie um sicher zu stellen, dass Valentina die psychologische und medizinische Betreuung bekomme, die sie benötige.

Präsidentin Bachelet steht im ersten Jahr ihrer zweiten Amtszeit. Sie repräsentiert das Mitte-Rechts-Lager ihres Landes, in dem die katholische Kirche sehr großen Einfluss hat und in dem etwa Abtreibung verboten ist, egal unter welchen Vorzeichen und Bedingungen. Die Präsidentin bringt vorsichtige Reformen auf den Weg, aber Sterbehilfe ist in ihrem Programm überhaupt kein Thema.

Ein Sprecher der katholischen Universitätsklinik in Santiago, wo das Mädchen behandelt wird, erklärte, Valentina befinde sich nicht in unmittelbarer Lebensgefahr. Ihr behandelnder Arzt, Andres Castillo, sagte, sie habe Ende Januar bei ihrer Einlieferung unter Atemproblemen und Unterernährung gelitten. Doch nun habe sie sich erholt und die Intensivstation bereits wieder verlassen können. „Unsere therapeutischen Bemühungen konzentrieren sich nun darauf, ihre Ernährung zu stabilisieren und ihre Familie zu unterstützen.“

Mukoviszidose ist ein genetischer Defekt. Die Krankheit ist unheilbar, durch frühe Erkennung verbessert sich aber die Prognose der Erkrankten. Die Lebenserwartung der Erkrankten liegt bei durchschnittlich 37 Jahren. Oft werden zuerst die Lungen befallen und verschleimen, später werden auch andere Organe in Mitleidenschaft gezogen.

Bei Valentina sind die Lungen, die Bauchspeicheldrüse und die Leber befallen. Im Endstadium droht der Erstickungstod. Merkmale sind chronischer Husten, schwere Lungenentzündungen, Verdauungsstörungen und Untergewicht. Jedes Jahr kommen in der Bundesrepublik rund 200 Kinder mit Mukoviszidose (zystischer Fibrose) auf die Welt. Fünf Prozent der Bevölkerung sind Merkmalsträger der tückischen Erbkrankheit. Das heißt, sie sind zwar selbst gesund, können Mukoviszidose aber an ihre Nachkommen vererben.

Sechsjähriger Bruder starb 1996

Unterstützung erhält die 14-Jährige von ihrem Vater. Fredy Maureira hat bereits mehr als 20 Briefe an die Staatschefin geschickt, in denen er um ein Gespräch bittet. Valentinas älterer Bruder starb 1996. „Ich habe bereits meinen sechsjährigen Sohn verloren, nun will meine Tochter in Würde sterben“, sagte er einem Lokalsender. Er sei von dem Video überrascht worden, als er es gesehen habe, habe er die ganze Nacht geweint. „Niemand als sie weiß besser, was es heißt, mit dieser Krankheit zu leben. Sie ist einfach erschöpft. Nach jeder Operation wurde ihr versprochen, es werde besser werden. Doch für sie wurde es schlimmer.“ Sollte seine Tochter sich doch entscheiden, weiter kämpfen zu wollen, werde er alles tun, um sie zu unterstützen. „Meine Botschaft an alle Eltern dieser Welt mit gesunden Kindern lautet: Bitte sorgt für sie. Liebt sie!“