Medien

„Charlie Hebdo“ mit Millionen-Auflage zurück

Französisches Satiremagazin erscheint sieben Wochen nach dem Anschlag wieder regelmäßig

Der Titel ist Programm: „Es geht wieder los!“ Das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ meldet sich kraftvoll zurück und flutet mit 2,5 Millionen Exemplaren seiner neuesten Ausgabe die Kioske. Sieben Wochen nach dem islamistischen Terroranschlag auf die Redaktion, bei dem zwölf Zeichner und Texter des Blattes starben, erscheint an diesem Mittwoch das neue Heft.

„Es geht wieder los“ steht auf dem Titel der Ausgabe Nummer 1179 und vereint so viele über die Jahre lieb gewonnene Spottopfer von „Charlie Hebdo“: Papst Franziskus, den früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, die französische Rechtsauslegerin und Front-National-Parteichefin Marine Le Pen, einen Islamisten – in Anlehnung an die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Schwarz gehalten –, einen vor Kraft und Geld strotzenden Kapitalisten und einen Journalisten, die alle zusammen als geifernde Hundemeute einen kleinen Köter jagen, der eine Ausgabe des Magazins im Maul hat und panisch flüchtet. Der Titel stammt aus der spitzen Feder des als Luz zeichnenden Karikaturisten Renald Luzier. Speziell der als schwarzer Hund gezeichnete Islamist ist wohl als besonders Provokation und als Zeichen zu werten, dass man bei „Charlie Hebdo“ nicht gedenkt, sich einschüchtern zu lassen. Der Hund gilt im Islam als besonders niedriges, unreines und verabscheuungswürdiges Tier; „kalb“ (Hund) ist im Arabischen eine derbe Beleidigung.

200.000 Abonnenten

Der islamistische Anschlag auf ein Kulturcafé in Kopenhagen hatte offenbar dem dort als Gastredner anwesenden schwedischen Karikaturisten Lars Vilks gegolten. Der hatte den Propheten Mohammed 2007 als Hund gezeichnet. Die Karikatur wurde damals in der schwedischen Zeitung „Nerikes Allehanda“ veröffentlicht. Seither lebt der Künstler mit Morddrohungen.

Vor dem Anschlag der schwer bewaffneten Brüder Said und Chérif Kouachi am 7. Januar in Paris druckte und verkaufte das traditionsreiche, aber finanziell schwächelnde Magazin rund 60.000 Exemplare. Ein erstes Heft war bereits sieben Tage nach dem Anschlag zum gewohnten Erscheinungstag herausgekommen. Die Ausgabe mit einer Auflage von fast acht Millionen Exemplaren wurde international vertrieben und stieß auf extrem hohes Interesse. Die Karikatur eines um die Opfer der Attentate auf die Redaktion und einen jüdischen Supermarkt weinenden islamischen Propheten Mohammed mit „Je suis Charlie“-Schild (Ich bin Charlie) hatte in Teilen der islamischen Welt für blutige Proteste gesorgt. Nach diesem Heft hatten sich die Mitglieder der Redaktion, die den Anschlag überlebt hatten, eine Auszeit genommen.

Nun soll das freche Satireblatt wieder regelmäßig erscheinen. Bis auf Weiteres wird es in den Räumen der Pariser Zeitung „Libération“ produziert, die der Restredaktion von „Charlie Hebdo“ neben Redaktionsräumen auch die produktionstechnischen Mittel für eine Fortsetzung ihrer Arbeit zur Verfügung gestellt hatte. Das 1970 gegründete französische Satireblatt „Charlie Hebdo“ ist aus dem verbotenen Vorgänger „Hara-Kiri“ hervorgegangen.

Nach dem Terroranschlag ist die Abonnentenzahl von rund 10.000 auf mehr als 200.000 gestiegen. Viele Unterstützer helfen dem Magazin nun dabei, sein journalistisches Überleben zu sichern. Bis zu 30 Millionen Euro sollen in die „Charlie Hebdo“-Kasse gespült worden sein.