Gesundheit

Grüne warnen vor Masern-Impfpflicht

Auch Kinderärzte reagieren skeptisch auf den Vorstoß der Gesundheitspolitiker

Ein Vorstoß aus der schwarz-roten Koalition für eine Impfpflicht zum Schutz vor Masern hat Widerspruch ausgelöst. Die Grünen wandten sich strikt dagegen, Impfgegnern mit einer gesetzlichen Verpflichtung zu drohen. „Ein Zwang zur Impfung geht zu weit“, sagte Katja Dörner, stellvertretende Fraktionschefin der Grünen im Bundestag. „Impfskeptiker bringt man nicht durch Zwang zum Umdenken, sondern durch umfassende, unabhängige Beratung.“ Auch aus verfassungsrechtlichen Gründen wäre eine Impfpflicht problematisch. „Es gilt das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit. Und eine Masernimpfung bietet zwar auf der einen Seite Schutz, birgt aber auf der anderen Seite auch Risiken durch Nebenwirkungen.“

Nach dem heftigen Masernausbruch in Berlin hatten der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach und sein CDU-Kollege Jens Spahn mit einer Impfpflicht gedroht. Auch Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) attackierte die Impfskeptiker scharf: „Die irrationale Angstmacherei mancher Impfgegner ist verantwortungslos.“

Die Grünen-Politikerin Dörner warb für eine intensivere Aufklärungsarbeit. „Wir finden es vertretbar, Eltern zu verpflichten, bei der Anmeldung zur Kita einen Nachweis zu erbringen, dass sie zum Thema Impfung beraten wurden“, sagte sie dieser Zeitung. „Gerade wenn Eltern ihren Nachwuchs in eine öffentliche Einrichtung mit anderen Kindern geben, ist die Impfentscheidung keine reine Privatsache mehr.“

Die Kinderärzte halten eine Impfpflicht für unrealistisch. „Eine generelle Impfpflicht wird sich wegen der Widerstände in der Bevölkerung nicht durchsetzen lassen“, sagte Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. „Wir fordern aber, dass alle Kinder beim Start in eine überwiegend staatlich finanzierte Kita oder Schule einen Impfnachweis vorweisen müssen.“

Nach der UN-Kinderrechtskonvention habe jedes Kind das Grundrecht, durch eine Impfung vor einer vermeidbaren Erkrankung geschützt zu werden. Die von der Bundesregierung geplante Verpflichtung für Eltern, vor dem Start in den Kindergarten eine Impfberatung zu nutzen, kritisierte Hartmann als „Augenwischerei“. „Diese Regelung im geplanten Präventionsgesetz wird die niedrigen Durchimpfungsraten nicht wesentlich erhöhen, denn wir beraten bereits immer im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen zu den notwendigen Impfungen.“