Terror

Türkische Truppen rücken über Grenze nach Syrien ein

Soldaten befreien Kameraden vor osmanischen Grab

Türkische Truppen sind in der Nacht zum Sonntag über die Grenze nach Syrien eingedrungen, um die belagerten Wachsoldaten vor einem osmanischen Grab in der Nähe von Kobane zu evakuieren. Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bezeichnete den Einsatz von 600 Soldaten und 100 Panzern sowie Schützenpanzern am Sonntag als Mission „zum Schutz unserer spirituellen Werte“ und der Wachsoldaten vor dem Mausoleum von Suleyman Shah, dem Großvater des Gründers des Osmanischen Reiches. Der Ort war eine türkische Exklave am Euphrat. Die Regierung in Damaskus reagierte empört: In einer einzeiligen Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Sana verurteilte sie den Einmarsch als „eklatante Aggression“ der Türkei.

Drohnen und Aufklärungsflieger

Davutoglu sagte, eine Abteilung sei zu dem Grab 35 Kilometer jenseits der Grenze am Euphrat vorgerückt. Das Mausoleum war bisher von rund 40 Soldaten bewacht worden. Die Gruft, in der der Vorfahre von Osman I. bestattet ist, sei nach der Räumung zerstört worden. Nach Angaben des Präsidialamts besetzte eine andere Abteilung ein Gebiet 200 Meter jenseits der Grenze in der syrischen Region Aschma. Dort wurde die türkische Flagge gehisst, wie in türkischen Medienberichten zu sehen war.

Davutoglu zufolge wurde die türkische Flagge auf dem Mausoleum erst eingeholt, nachdem sie „an einer anderen Stelle in Syrien zu wehen begann“. Die Streitkräfte teilten mit, ein Soldat sei bei der Operation bei einem Unfall auf dem Weg zum Grab umgekommen. Details wurden nicht genannt. Drohnen und Aufklärungsflugzeuge hätten den Einsatz der Bodentruppen begleitet, sagte Davutoglu. Die US-Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat sei von der Aktion vorab informiert worden, um Verluste zu vermeiden. Von US-Seite gab es dazu zunächst keine Stellungnahme.

Das Grab von Suleyman Shah war eine türkische Exklave in der umkämpften Provinz Aleppo nahe der Stadt Kobane. Die türkischen Hoheitsrechte daran waren 1921 in einem Vertrag mit Frankreich, der damaligen Kolonialmacht in Syrien, verankert worden. Allerdings war der am Sonntag geräumte Standort nicht das ursprüngliche Grab Suleyman Shahs. In den 70er-Jahren wurde es von einem Schloss weiter südlich in Syrien nach dort verlegt, weil es sonst von einem Stausee überflutet worden wäre.

In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Gerüchte gegeben, Kämpfer des Islamischen Staats hätten das Grab mit den türkischen Wachsoldaten belagert.