Flüchtlingspolitik

Wenn das Mittelmeer zum Massengrab wird

Video des italienischen Polizei-Einsatzkommandos zeigt das Elend der Flüchtlinge

Zigtausende Flüchtlinge kommen jedes Jahr über das Mittelmeer, landen an europäischen Küsten. Viele von ihnen stranden an der Mittelmeerinsel Lampedusa oder den Südküsten Siziliens. Wie so eine Reise verläuft, zeigt jetzt ein kurzer Film, den die Polizei der sizilianischen Provinz Ragusa produzierte. Es ist ein Zusammenschnitt verschiedener Aufnahmen, eine Zusammenfassung der Ereignisse von 2014.

Das Ergebnis ist eine neunminütige Tragödie. Der kurze Film zeigt Szenen schon vor dem Start einer solchen Reise: die fröhliche Fahrt einiger Männer zum Hafen, wo sie ihr Boot besteigen werden. Sie lachen, freuen sich wohl auf die Zukunft. Dann endet die fröhliche Fahrt: eine Hubschrauberaufnahme zeigt, wie Menschen von einem Fischerboot in eine kleine Holzschaluppe ausgesetzt werden. Danach beginnt der schwierige, lebensgefährliche Teil der Reise. Szenen zeigen, was die Flüchtlinge aus ihren Booten während der Überfahrt sehen, etwa ein nahendes Frachtschiff; man hört sie „Hilfe” in gebrochenem Italienisch rufen. Die Aufnahmen wurden von den Flüchtlingen selbst, von Besatzungsmitgliedern der Frachtschiffe und der Polizei gedreht. Die Idee zu dem Video hatte der Leiter des Polizei-Einsatzkommandos der südostsizilianischen Stadt Ragusa, Nino Ciavola. „Der Film soll unsere Fahndungsergebnisse veranschaulichen und die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft unterstützen”, erklärt er.

Dramatisch ist die Szene von einem Schlauchboot, das schon einen rettenden Frachter erreicht hat, dann aber doch kentert. Viele der Insassen geraten in Panik, obwohl sie Schwimmwesten tragen. Doch sie können nicht schwimmen, sind schon von der Reise entkräftet. Bei den Rettungsarbeiten läuft nicht alles glatt. Schließlich sieht man, wie ein lebloser Körper in Schwimmweste von der Besatzung die Stahltreppe hinaufgezogen wird.

Der Film zeigt nur einen kleinen Ausschnitt der Realität, viele der grausamsten Szenen seien gar nicht veröffentlicht. Aber um ein Video zu produzieren, das alle Zahlen und Fakten genau dokumentiert, bräuchte man Monate, erklärt Ciavola. Insgesamt wurden 2014 bei Bergungsarbeiten in seinem Distrikt 70 tote Flüchtlinge geborgen.

Sowohl die Polizei als auch die Bevölkerung von Sizilien stellt sich inzwischen auf Schlimmeres ein. In den nächsten Monaten wird ein Flüchtlingsstrom aus Libyen von mehreren Hunderttausend Menschen erwartet.