Offensive

Viele Tote bei Anschlägen in Libyen – Ägypter fliehen

Kurz vor neuen Friedensverhandlungen hat der Machtkampf bewaffneter Gruppen in Libyen erneut Dutzenden Menschen das Leben gekostet.

Bei der Explosion dreier Autobomben wurden im Osten des Bürgerkriegslandes mehr als 30 Menschen getötet. Dutzende seien verletzt, sagte der Vorsitzende des international anerkannten libyschen Parlaments in der Stadt Tobruk, Akil Saleh, dem Fernsehsender al-Arabija.

Die Anschläge seien gegen den Hauptsitz der Sicherheitskräfte in dem Ort al-Koba gerichtet gewesen. Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. In Libyen herrscht seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 Bürgerkrieg. Mehrere Milizen bekämpfen sich, darunter radikale Islamisten. Außerdem ringen zwei konkurrierende Parlamente um die Macht. In Tobruk tagt die international anerkannte Kammer. In der Hauptstadt Tripolis im Westen sitzt ein von Islamisten dominiertes Parlament.

Al-Koba liegt in der Nähe der Stadt Derna, die als Hochburg des libyschen Ablegers der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gilt, die in Syrien und im Irak ein Gebiet von der Ausdehnung Italiens beherrscht. Die Dschihadisten machen sich die Uneinigkeit der Libyer zunutze. Am Sonntag hatten Extremisten ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung von 21 entführten ägyptischen Christen zeigte. Ägyptens Luftwaffe bombardierte danach in der Nähe Dernas IS-Stellungen. Derweil werden in Libyen lebende Ägypter nach Tunesien in Sicherheit gebracht. Laut der tunesischen Nachrichtenagentur Tap kamen rund 180 Menschen über die Grenze, um von der Insel Djerba aus weiter in ihre Heimat zu fliegen. Hunderttausende sollen noch im Land sein.

USA planen Einsatz gegen IS

Unterdessen kündigten die USA an, dass im Frühjahr eine Offensive auf die von der Terrormiliz Islamischer Staat gehaltene Stadt Mossul beginnen soll. Laut einem US-Militär würden an der für April oder Mai geplanten Operation zwölf irakische Brigaden und damit zwischen 20.000 und 25.000 Soldaten beteiligt sein, teilte ein Vertreter des Zentralkommandos in Tampa am Donnerstag (Ortszeit) mit. Ziel sei die Rückeroberung der zweitgrößten Stadt im Irak.

Fünf der Brigaden sollen demnach schon bald vor Ort für die Mission geschult werden. Deren Ausbildung übernimmt das US-geführte Bündnis gegen die IS-Miliz. Die fünf Einheiten sollen die Kerntruppe bilden. Ihnen würden drei weitere kleinere Brigaden als Reservetruppen zur Seite gestellt. Hinzu kommen drei Einheiten kurdischer Peschmerga-Kämpfer, die die IS-Extremisten vom Norden und Westen aus einkesseln sollen. Darüber hinaus soll eine Kampftruppe für Mossul zum Einsatz kommen, die überwiegend aus früheren Polizisten und Stammesangehörigen besteht.