Haftbefehl

Unliebsamer Bürgermeister von Caracas in Haft

Die venezolanische Polizei hat den Bürgermeister von Caracas festgenommen. Uniformierte Beamte drangen am Donnerstag (Ortszeit) in das Büro von Antonio Ledezma ein und führten ihn ab.

Präsident Nicolás Maduro bestätigte die Festnahme des Oppositionellen. Ledezma werde wegen seiner Bemühungen um Störung des Friedens zur Rechenschaft gezogen, erklärte er am Abend. Prompt kam es in der ganzen Hauptstadt zu spontanen Protesten.

Die Festnahme Ledezmas hatte zunächst die Opposition gemeldet. Später machten in sozialen Medien auch Aufnahmen einer Überwachungskamera die Runde, die den Zugriff teilweise zeigten. Zu sehen ist ein Pulk uniformierter Männer, die den 59-Jährigen aus dem Rathaus zerren. Ein Mitglied des Sicherheitsteams von Ledezma sagte, in das Gebäude seien zunächst zehn Beamte in der Kluft des Inlandsgeheimdiensts eingedrungen. Mit ihren Waffen hätten sie die Tür zum Büro Ledezmas eingetreten, ein weiteres Dutzend maskierter Männer sei gekommen, habe den Bürgermeister geschlagen und dann fortgebracht, sagte er. Einen Haftbefehl zeigten die Agenten laut dem Sprecher von Ledezmas Partei nicht. Vermutlich werde der Bürgermeister vom Geheimdienst in Caracas festgehalten, sagte Parteisprecher Hector Urgelles weiter.

Vergangene Woche hatte Staatschef Maduro eine lange Liste mit Regierungskritikern und westlichen Ländern vorgelegt, die angeblich einen Putsch gegen seine sozialistische Regierung planten. Auf ihr fand sich auch der Name Ledezmas. Dieser reagierte auf die Vorwürfe in mehreren Interviews mit Spott: Der wahre Destabilisierungsfaktor in Venezuela sei die Korruption der Regierung, erklärte Ledezma. Auch das US-Außenministerium warf die Anschuldigungen Maduros als falsch und unbegründet zurück. Die Nachricht von dessen Festnahme löste in Caracas aufgebrachte Gegenreaktionen aus: Einige Bewohner begannen mit Töpfen Krach zu schlagen, andere drückten ihren Unmut im Straßenverkehr mit Hupen aus. Ledezma gehört der oppositionellen Volksallianz der Furchtlosen an. Der sozialistischen Führung ist er ein Dorn im Auge, seitdem er sich bei der Bürgermeisterwahl in Caracas 2008 gegen ein Mitglied der Regierungspartei durchsetzte.