Beratungen

USA organisieren Konferenz gegen Islam-Terror

Obama will bei dreitägigem Expertentreffen sprechen

Mit jedem Terroranschlag in westlichen Ländern wie Frankreich oder jetzt Dänemark nimmt auch im Weißen Haus die Nervosität zu. Die Sicherheitsberater von Präsident Barack Obama wissen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die USA wieder Opfer eines religiös oder ideologisch motivierten Gewaltaktes werden. Sie wollen nicht nur große Anschläge wie 2013 auf den Marathon in Boston effektiver verhindern, sondern auch gezielte Attacken gegen Anhänger bestimmter Glaubensrichtungen oder Weltanschauungen.

Helfen bei der Suche nach Vorbeugungsmaßnahmen soll in dieser Woche eine internationale Konferenz in Washington zur „Abwehr des gewaltsamen Extremismus“. Ziel sei es, „den Teufelskreis der Radikalisierung daheim in den Vereinigten Staaten und im Ausland besser zu verstehen, zu identifizieren und zu verhindern“, so das Weiße Haus. Denn während der Kampf gegen große Terrorgruppen längst routiniert läuft, fürchten die Behörden, die Gefahr durch Einzeltäter, durch einsame Wölfe, nicht in den Griff zu kriegen.

Für die ab Mittwoch geplante, zweitägige Konferenz hat Präsident Barack Obama zum einen Politiker und Interessenvertreter aus US-Städten und Gemeinden zusammengetrommelt. Zielgruppe sind etwa Sozialhelfer, Geistliche oder Lehrer, die junge Leute davor bewahren sollen, Menschenfängern in die Arme zu laufen. Pilotprojekte gibt es in Boston, Los Angeles und Minneapolis. Zum anderen sollen am Donnerstag im Außenministerium Abgesandte aus rund 60 Ländern über das Problem diskutieren. Aus Deutschland nimmt laut Botschaft die Staatssekretärin im Bundesinnenministerium, Emily Haber, teil.

Angst vor radikalen Einzeltätern

Obama ist eine solche Konferenz schon lange ein Anliegen. Oft rief er zur Wachsamkeit gegenüber „selbst radikalisierten Einzeltätern“ auf. Auch dass sich Bürger westlicher Staaten immer öfter Terrorgruppen anschlössen, empfindet er als gravierendes Problem. Doch was das Treffen in Washington konkret bringen soll, scheint seiner Regierung selbst nicht ganz klar zu sein. Mehrfach wurde es verschoben, erst kurz vor dem Start wurde überhaupt das Programm bekannt. Hochrangige Teilnehmer aus dem Ausland kommen kaum. Kritiker meinen, der Termin wurde nur halbherzig vorbereitet.

Auch inhaltlich gibt es Verwirrung. Ein Kritikpunkt lautet, dass das Weiße Haus vermeidet, konkret von islamistischen Terroristen zu sprechen, statt allgemein von Extremisten. Dies gehe an der Realität vorbei. Obamas Sprecher Josh Earnest weist das zurück. Man sei natürlich besorgt über die „Radikalisierungsbemühungen, die auf die muslimische Gemeinde zielen“ und vor allem auf deren Jugend, sagt er. Es gebe aber auch „andere gewalttätige Extremisten, die keine Muslime sind und Gewaltakte in diesem Land ausgeführt haben“.