Gutachten

Notfallversorgung: Kliniken fordern eine Milliarde Euro

Die Notaufnahmen der Kliniken sind nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vielerorts „stark überlastet und absolut unterfinanziert“.

Sie würden immer stärker zum „Lückenbüßer“ für die eigentlich zuständigen Bereitschaftsdienste der Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), kritisierte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum am Dienstag in Berlin. Zudem arbeiteten die Notaufnahmen mit einer deutlich schlechteren finanziellen Ausstattung. Baum bezog sich auf ein Gutachten zur ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus, das am Dienstag vorgestellt wurde. Einem durchschnittlichen Erlös von 32 Euro pro ambulantem Notfall stehen Fallkosten von mehr als 120 Euro gegenüber. Mehr als zehn Millionen ambulante Notfälle mit einem Fehlbetrag von 88 Euro pro Fall führten zu einer Milliarde Euro nicht gedeckter Kosten, rechnete Baum vor.

Für das „Gutachten zur ambulanten Notfallversorgung im Krankenhaus – Fallkostenkalkulation und Strukturanalyse“, das die DKG in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) in Auftrag gegeben hatte, stellten 55 Krankenhäuser für insgesamt 612.070 ambulante Notfälle fallbezogene Kosten- und Leistungsdaten bereit. „Die Krankenhäuser sehen sich in der Leistungspflicht für jeden, der Hilfe in den Notaufnahmen sucht und geraten dadurch in eine Kostenfalle“, sagte Baum. Die Patienten gingen vorrangig in die Ambulanzen der Krankenhäuser. Ein Drittel der Patienten könnte jedoch von niedergelassenen Ärzten versorgt werden.