Flugverkehr

Leipzig steht als Zweitflughafen für Berlin bereit

Der neue Berliner Flughafenbau ist noch lange nicht fertig, da wird seine künftige Funktion als einziger Großflughafen der Hauptstadtregion bereits in Frage gestellt.

An die Spitze der Debatte stellt sich kein geringerer als Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Im Interview mit der Berliner Morgenpost brachte Dobrindt mögliche Synergien ins Spiel: „Der Flughafen Leipzig wäre mit der Bahn in 55 Minuten Fahrzeit aus der Berliner Stadtmitte zu erreichen“, erklärte der CSU-Politiker. Die Idee müsste allerdings noch mit der Bahn besprochen werden: Noch gibt es keine solche Direktverbindung – bisher müssen Berliner, die von Leipzig aus abheben wollen, am Hauptbahnhof der sächsischen Metropole umsteigen. Aber die Empfehlung aus Berlin dürfte den für Leipzig-Halle zuständigen Ländern Sachsen und Sachsen-Anhalt bei den Verhandlungen helfen.

Landesregierungen begeistert

In den entsprechenden Landesregierungen wurden die Aussagen Dobrindts mit Begeisterung aufgenommen. So sagte der sächsische Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) der „Welt“: „Dass der Bundesverkehrsminister meinen Vorschlag, Synergien zwischen den Flughäfen Berlin und Leipzig zu nutzen, als eine Alternative zu einer möglichen Erweiterung des neuen Flughafens BER ausdrücklich genannt hat, freut mich sehr.“

Auch der Magdeburger Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) jubelt: „Wir stehen bereit! Halle/Leipzig ist ein attraktiver Flughafen mit sehr guter Verkehrsanbindung und prosperierendem Umfeld.“ Er ist überzeugt, dass eine Verlagerung von Flügen zu einer weiteren wirtschaftlichen Stärkung der Region beitragen könnte.

Für Dobrindt kann das Modell, Leipzig als zweiten Hauptstadtflughafen zu positionieren, tatsächlich eine Menge Probleme lösen. Denn der Flughafen auf der Landesgrenze von Sachsen zu Sachsen-Anhalt mit direktem Bahn- und Autobahnanschluss wurde 1990 großzügig ausgebaut. Sein Hauptterminal ist für eine Jahreskapazität von 4,5 Millionen Passagieren ausgelegt. Tatsächlich zählte der Flughafen 2014 nur rund 2,3 Millionen Fluggäste. Er hat also noch Luft – welche dem BER bereits an seinem geplanten Eröffnungstag in der zweiten Jahreshälfte 2017 de facto fehlt.