Kommentar

Das Gespenst des Antisemitismus

Jacques Schuster über die Lehren aus den Anschlägen von Kopenhagen

Immer dreister hält das Gespenst des Antisemitismus Einzug in die Staaten der EU. Es mordet in Frankreich, es tötet in Kopenhagen, erhebt sein Haupt in Deutschland und zeigt seine Fratze in Belgien. Sterben Menschen wie in Paris oder in Dänemark, ist das Entsetzen groß. Bleibt der Brand zugunsten kleinerer Feuer aus, dann schlummert die Mehrheit der Europäer weiter. In allen europäischen Staaten steigt die Zahl antisemitischer Gewalttaten, doch für die meisten Menschen bleibt sie eine Ziffer in der Statistik. Zwar ist der Judenhass in Europa heute vor allem ein muslimisch-arabischer, der Gleichmut der Mehrheitsgesellschaft aber nährt ihn. Dabei sollte es heute in Europa heißen: Alle Europäer sind Juden, alle Juden sind Europäer – und das im geistigen Sinn. Neben dem Monotheismus ist die Freiheit ein bedeutender Bestandteil der jüdischen Religion. Diese Freiheit ist ein Teil der westlichen Welt geworden. Wer sie attackiert, greift die Demokratie der Europäer an. An ihrem Ende stünde ein Staat, der kein westlicher mehr wäre. Ihm fehlte jegliche Toleranz und der Glaube an den Segen des Kompromisses als Grundvoraussetzung des friedlichen Zusammenlebens.

Die Mehrheit der Muslime wünscht sich dergleichen nicht, aber auch unter ihnen herrscht die Regel: Je entschlossener eine Minderheit auftritt, desto leichter ist sie in der Lage, die Mehrheit zum Schweigen zu bringen. Die muslimische Mehrheit darf aber nicht mehr schweigen. Für sie wie für alle Europäer gilt: Wer Juden angreift, wer Karikaturisten tötet, wer nicht anerkennen will, dass sein Glaube nicht mehr Rechte als jeder andere besitzt, der hat in Dänemark wie in Deutschland, in Irland wie in Italien nichts zu suchen, der muss mit der Härte der Gesetze bestraft werden.