Anschlag

Terroralarm in Kopenhagen

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Suche nach Täter – Bundespolizei verstärkt nach Anschlag Kontrollen an Grenzübergängen

Bei einem Angriff auf eine Veranstaltung über Meinungsfreiheit sind in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen mindestens ein Mensch getötet und mehrere verletzt worden, darunter drei Polizisten. Ein Unbekannter feuerte am Sonnabend mit einer automatischen Waffe auf das Kulturcafé, in dem der schwedische Mohammed-Karikaturist Lars Vilks und zahlreiche andere Menschen über Kunst, Gotteslästerung und freie Meinung diskutierten. Die Polizei geht davon aus, dass der Angriff Vilks galt, der schon mehrfach Ziel von Anschlägen war.

Der Getötete sei ein 40 Jahre alter Zuschauer gewesen, die Verletzten sind Polizisten, so die Behörden. Die dänische Regierung sprach von einem Terrorakt. Vilks, der sich in einer Kühlkammer in Sicherheit brachte, blieb ebenso unverletzt wie der französische Botschafter und die bekannte Aktivistin Inna Schewtschenko von der Feministinnen-Gruppe Femen. Beide waren unter den Gästen.

Polizei löst Großfahndung aus

Die Polizei löste eine Großfahndung aus nach einem etwa 25 bis 30 Jahre alte Mann arabischen Aussehens, der von mehreren Videokameras erfasst wurde. Befragungen der Sicherheitskräfte ergaben, dass der Täter zwischen 25 und 30 Jahre alt ist, etwa 1,85 Meter misst und eine sportliche Statur hat. Der Polizei zufolge handelt es sich um einen Mann arabischen Aussehens.

Fünf Wochen nach dem blutigen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und den anschließenden Terrorattacken in Paris mit insgesamt 20 Toten lösten die Schüsse in Kopenhagen Panik aus. Zeitweise herrschte Chaos im Umfeld des Tatortes. Der Fernsehsender TV2 berichtete, im Fenster des Kulturcafés klafften etwa 30 Einschusslöcher. Ein Augenzeuge sagte dem Sender, außer den Schüssen seien Schreie zu hören gewesen. Die Polizei habe zurückgeschossen. „Alles deutet darauf hin, dass die Schüsse eine politisch motivierte Attacke darstellen und deswegen ein Akt des Terrorismus sind“, sagte Dänemarks Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt. Auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach in Peru von einem terroristischen Akt, die dänische Polizei zunächst von einer „möglichen Terrorattacke“. Die EU-Kommission verurteilte den Angriff.

Die Polizei fahndete am Abend in ganz Dänemark nach dem Täter, der mit einem dunklen VW Polo flüchtete. Später wurde der Wagen verlassen in Kopenhagen gefunden. Die Ermittler veröffentlichten ein Bild aus einer Überwachungskamera in der Nähe dieser Stelle. Die Aufnahme zeigt einen dunkel gekleideten Mann mit einer roten Mütze. An den Hauptausfallstraßen Kopenhagens wurden Straßensperren errichtet. Die Kontrollen an den Landesgrenzen wurden erheblich verschärft, hieß es. An der Fahndung ist auch die deutsche Bundespolizei beteiligt: Sie verstärkte noch am Abend die Kontrollen an deutsch-dänischen Grenzübergängen, wie ein Sprecher sagte. Unter anderem überwacht die Bundespolizei nun an den drei Flensburger Grenzübergängen den Verkehr. Die Grenzübergänge blieben aber offen. Die dänischen Sicherheitsbehörden hätten um diese Unterstützung gebeten.

Vilks gehörte zu den Rednern bei der Veranstaltung mit dem Titel „Kunst, Blasphemie und Meinungsfreiheit“. Der französische Botschafter, François Zimeray, war ebenfalls dabei. „Ich bin unversehrt im Gebäude“, twitterte er unmittelbar nach dem Anschlag. Eine Zeitung hatte 2007 eine Zeichnung von Vilks veröffentlicht, die den Propheten Mohammed als Hund darstellte. Daraufhin wurde im Internet von einem Al-Qaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150.000 Dollar auf ihn ausgesetzt. Seither war der Schwede bereits mehrfach Ziel von Extremisten. Im Januar 2014 wurde in den USA die Amerikanerin Colleen LaRose alias „Dschihad Jane“ zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie nach Überzeugung des Gerichts zusammen mit islamistischen Verschwörern Vilks töten wollte. Das Mordkomplott wurde damals nicht ausgeführt.

( dpa/AP )