Familie

Frauen wollen mehr arbeiten, Männer lieber weniger

Regierung möchte Vereinbarkeit von Job und Kindern langfristig verbessern

Männer möchten gerne weniger arbeiten, Frauen dagegen lieber mehr. Das ist zusammengefasst das Ergebnis mehrerer Arbeitsmarktstudien zu der Frage, wie sich Arbeit und Familie vereinbaren lassen. Könnten sie es sich aussuchen, würden 60 Prozent aller berufstätigen Väter gerne weniger arbeiten. Bei den Müttern sind es nur 41 Prozent. Dagegen möchten 20 Prozent der erwerbstätigen Frauen ihre Wochenstundenzahl erhöhen. Bei den Männern sind es nur fünf Prozent der Befragten.

Doch obwohl Industrie und Unternehmen in einzelnen Branchen über Fachkräftemangel klagen, ist ein beachtlicher Anteil der höher qualifizierten Mütter in Teilzeitarbeit oder nur stundenweise beschäftigt, hält der Familienmonitor 2010 des Allensbach-Instituts fest. Studien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg weisen auf eine „Arbeitszeitlücke“ zwischen Männern und Frauen hin. So sank zwischen 1991 und 2011 die Vollzeitbeschäftigung bei Frauen und Männern gleichermaßen stark um 20 Prozent. Frauen hat das jedoch stärker als Männer in die Teilzeit gedrängt: 2011 waren fast doppelt so viele von ihnen teilzeitbeschäftigt wie noch 1991, jede zweite Erwerbstätige. Eine große Anzahl dieser Frauen würde laut IAB gerne durchschnittlich 2,5 Stunden in der Woche mehr arbeiten. Teilzeitbeschäftigte Männer wollen fast fünf Stunden mehr arbeiten.

Bestehende Rollenbilder

Teilzeit bedeutet oft schlechtere Bezahlung und weniger Karrierechancen. Die Ursachen sind komplex: Da geht es um immer noch bestehende Rollenbilder von Frauen, die erziehen sollen, und Männern, die Familien zu versorgen haben. Angebote für Kinderbetreuung bessern Bund und Länder erst jetzt deutlich auf. Noch immer arbeiten weniger Frauen in höheren Positionen, noch immer verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als ihre männlichen Kollegen. Was tut die Regierung? Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagt: Deutschland müsse zu flexibleren Arbeitszeitmodellen kommen. „Und dabei sind vor allem die Sozialpartner gefragt. Denn wenn wir die Arbeit ausgewogener verteilen und die Frauen stärker einbinden, dann nutzen wir das riesige Fachkräftepotenzial besser, das im Moment noch schlummert.“ Ihr Ministerium fordert Arbeitgeber wie Arbeitnehmer dazu auf, etwa die Arbeit von zu Hause aus zu stärken.

Auch im Familienministerium wird an der Realisierung der Arbeitszeitwünsche geschraubt. „Es gibt viele Frauen, die lieber wieder früher in den Job – in Teilzeit – einsteigen wollen. Und es gibt viele Väter, die nicht nur zum Gutenachtkuss nach Hause eilen, sondern mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen möchten“, sagt Bundesministerin Manuela Schwesig (SPD). Mit dem von Union und SPD eingeführten Elterngeld Plus gilt: Wer Teilzeit in der Elternzeit arbeitet, bekommt doppelt so lange Elterngeld. Wer sich gemeinsam um das Kind kümmert, wird länger gefördert. Zudem will die Regierung ein Rückkehrrecht in Vollzeitstellen möglich machen. Wer Arbeitszeit reduziert, hat bisher kein Recht darauf, wieder vollständig aufzustocken. Bisher gibt es nur das Recht, Arbeitszeit zu reduzieren. Im Arbeitsministerium heißt es, man werde noch in diesem Jahr eine Lösung mit Arbeitnehmern und Arbeitgebern finden, um eine Rückkehr in Vollzeit zu ermöglichen.