Kirche

Der Papst würde Kinder schlagen – und wird dafür heftig kritisiert

Papst Franziskus sorgt mit einer Bemerkung zur Gewalt gegen Kinder für Aufregung in Deutschland.

Er hatte am Mittwoch Schläge als Erziehungsmaßnahme indirekt befürwortet, Ohrfeigen jedoch ausdrücklich abgelehnt. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Kinderschutzorganisationen wiesen darauf hin, dass es kein würdevolles Schlagen anderer Menschen gebe. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) attestierte dem Papst „mittelalterliches Denken“. Der Vatikan wies die Einschätzung zurück, der Papst rechtfertige Prügelstrafen. In Deutschland ist körperliche und seelische Gewalt gegen Kinder seit 2000 gesetzlich verboten.

Franziskus sprach bei der wöchentlichen Generalaudienz im Vatikan über die Rolle der Väter in den Familien. Sie müssten dort stärker präsent sein und die Kinder „korrigieren, ohne zu erniedrigen“. Als Beispiel führte er abweichend vom Redetext einen Vater auf, der zu ihm gesagt habe: „Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu erniedrigen.“ Der Papst kommentierte das Verhalten des Mannes mit den Worten: „Wie schön! Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.“

Schwesig sagt , es dürfe bei diesem Thema kein falsches Verständnis geben. „Jegliche Gewalt gegen Kinder ist vollkommen inakzeptabel.“ Roth sagte, die Papst-Äußerung zeige, dass es in der Kirche immer noch dringend Reformen brauche. Grünen-Chefin Simone Peter kommentierte auf Twitter: „Völlig daneben: Ein ‚Klaps‘ für Kinder sei in Ordnung“. Alltägliche Gewalt gegen Kinder dürfe nicht verharmlost werden. Ähnlich äußerten sich Vertreter der Linkspartei. Auf Twitter wird Franziskus inzwischen unter dem Hashtag #pruegelpapst heftig angegriffen.

Der Deutsche Kinderschutzbund nannte die Äußerungen „inakzeptabel“. Es sei „sehr sehr schade“, dass das Kirchenoberhaupt das Schlagen von Kindern als Strafe offenbar erlaube, sagte Bundesgeschäftsführerin Paula Honkanen-Schoberth. Jegliches Schlagen verletze die Würde des Kindes und demütige es. „Das war keine gute Aussage.“ Sie wünschte sich vom Papst eine „ganz klare Positionierung gegen körperliche Bestrafungen“, sagte die Bundesgeschäftsführerin. Auch der Vorsitzende der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, kritisierte den Papst. „Es gibt kein würdevolles Schlagen eines anderen Menschen“, erklärte er. Franziskus mache sich mitschuldig, wenn auch nur einem einzigen Kind unter Verweis auf seine Aussage Schmerzen zugefügt würde. Das Gewaltverbot gegen Kinder gelte für Eltern genauso wie für katholische Geistliche. Becker appellierte an das Kirchenoberhaupt, seine Aussage schnellstmöglich zu korrigieren. Er äußerte zugleich: „Ich mag diesen Papst, weil er so besonders menschlich ist.“ Aber jeder Mensch könne auch einmal irren.