Kommentar

Endspiel für Herthas Führung

Jörn Meyn über die Entlassung von Trainer Jos Luhukay bei Hertha BSC

Neun Trainer waren unter Michael Preetz als Manager von Berlins Fußball-Bundesligaklub Hertha BSC seit Sommer 2009 im Amt. Der letzte hieß Jos Luhukay. 31 Monate lang arbeitete er für den Hauptstadtklub. Seit Donnerstag ist auch Luhukay Geschichte, weil er die sportliche Talfahrt des Klubs nicht stoppen konnte. Hertha befindet sich als Tabellenvorletzter in akuter Abstiegsgefahr. Trainer Nummer zehn unter Preetz heißt Pal Dardai, Rekordspieler des Vereins, ein Mann mit Stallgeruch.

Häufige Trainerwechsel bestimmen also die Schaffenszeit Preetz’ bei Hertha, und das ist nie ein gutes Zeichen. Zweimal konnte auch die hohe Fluktuation auf der Trainerbank den Abstieg aus der Bundesliga nicht verhindern – 2010 und 2012. Zweimal überstand die Vereinsführung, Preetz, Finanzchef Ingo Schiller sowie Präsident Werner Gegenbauer, den Abstieg. Und immer sollte es besser werden.

2009 waren sie angetreten, den Verein nach Jahren der Ära Dieter Hoeneß umzubauen. Weniger autoritär geführt und sportlich auf der Jagd nach bundesweiten Sympathien – so sollte Hertha sein. Zudem wollte man Abstand nehmen von der Finanzpolitik Hoeneß’, die den Klub mehrfach an den Rand des Abgrunds trieb. Letzteres ist gelungen. Dank des Einstiegs des Finanzinvestors KKR steht Hertha wirtschaftlich so gut da wie Jahrzehnte nicht. Doch im Kerngeschäft Profifußball ist Solidität auch im sechsten Jahr nicht in Sicht. Mit Luhukay glaubte man sich auf einem guten Weg. Doch obwohl ihm die Vorbereitung auf die Rückrunde gewährt wurde, entzog die Geschäftsführung dem Trainer schon zwei Partien später das Vertrauen. Während im Rest des Landes der Profifußball boomt, hängt über Hertha nun seit Jahren eine bleierne Müdigkeit.

Die Berliner haben nun 15 Endspiele um den Klassenerhalt. Doch es sind auch 15 Endspiele für Preetz und Gegenbauer. Dass er kein drittes Mal mit Hertha in die Zweite Liga gehen werde, hat Gegenbauer bereits auf einer Mitgliederversammlung angekündigt. Damit hängt Preetz’ Schicksal als Hertha-Manager auch an seinem Trainer Nummer zehn.