Kommentar

Respekt für eine mutige Frau

Hajo Schumacher über verschiedene Arten sich gegen islamistische Gewalt zu wehren

Die Grausamkeit schockiert, mit der die Terrorbande IS ihre Geiseln hinrichtet. Das Vollstrecken zweier Todesurteile gegen IS-Inhaftierte weist auch nicht gerade auf den tiefen Humanismus der jordanischen Regierung hin. Ein Signal aber steckt im Wetttöten: Der vorgebliche Kampf der Kulturen ist ebenso ein Binnenproblem des Islam.

Diese Konfliktlinie wird endlich deutlich, weil die USA die Strategie der gelassenen Vernunft verfolgen. Barack Obama führt den Drohnenkrieg gegen den IS so leise, dass das Feindbild vom bösen Amerikaner nicht mehr wirkt. Und schon wird klar, gegen wen sich der Terror von IS, al-Qaida, Boko Haram vorwiegend richtet: nicht gegen den Westen, sondern gegen die islamische Welt. Denn bei fast allen Attentaten zählen vorwiegend Glaubensbrüder und -schwestern zu den Opfern. Jordanien will sich von diesen Schlächtern nicht drangsalieren lassen. Und andere Länder werden folgen. Ohne Sheriffs wird viel klarer, wo das Böse sitzt, wer das Böse finanziert, etwa Saudi-Arabien und Katar, und wer diesen Finanziers Waffen liefert, unter anderem Deutschland.

Der Mut zur Selbsthilfe wächst auch in Berlin. Lange ist bekannt, dass Salafisten die Al-Nur-Moschee in der Haberstraße besuchen, auch gewaltbereite. Neulich hat dort ein Imam aus Dänemark zum Mord an Juden aufgerufen. Wenig später erklärte ein Hassprediger aus Ägypten, warum Frauen kein Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper hätten. Der Berliner Verfassungsschutz belässt es beim Beobachten. Nicht so Ayse Demir vom Türkischen Bund Berlin-Brandenburg. Mutig tat die Frau, was Anständige tun: Sie stellte Strafanzeige wegen Beleidigung, Volksverhetzung und des Verdachts der öffentlichen Aufforderung zu Gewalt und Vergewaltigung. Respekt für eine Muslima, die klar macht, wo die Grenze zwischen Religionsfreiheit und Kriminalität verläuft. Frau Demir beweist, dass sich Menschen in diesem Land gut selbst helfen können. Wenn eine aufgeklärte Demokratie kapiert, dass wir nicht Religionen voreinander schützen müssen, sondern die Guten vor den Kriminellen.