Extremismus

Ägyptens neuer Terrorkrieg

Dutzende Tote bei Islamistenattacken auf dem Sinai. Ableger des IS bekennt sich

Nach verheerenden Anschlägen eines ägyptischen Ablegers der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat auf der Sinai-Halbinsel sind am Freitag bei neuen Gefechten zwei Kinder getötet worden. Ein sechs Monate altes Baby wurde in den Kopf getroffen, ein sechsjähriges Kind fiel einem Raketenangriff zum Opfer. Bei Attacken der Extremistengruppe Ansar Beit al-Makdis waren am Donnerstag etwa 30 Menschen getötet worden. Staatschef Abel Fattah al-Sisi brach seine Afrikareise ab.

Die Angriffe am Donnerstag waren die blutigsten seit einem Vierteljahr. Militär- und Polizeigebäude in der Provinzhauptstadt al-Arisch wurden mit Raketen und einer Autobombe attackiert. Einen weiteren Raketenangriff gab es auf einen Kontrollposten der Sicherheitskräfte in Rafah an der Grenze zum Gazastreifen. Die Leichen von 30 Opfern seien nach Kairo geflogen worden, 62 Menschen seien verletzt worden, teilten die Sicherheitsbehörden am Freitag mit. Die meisten Toten waren Soldaten.

Die Extremistengruppe Ansar Beit al-Makdis bekannte sich im Kurzmitteilungsdienst Twitter zu der Gewalt. Es habe sich um „umfassende, simultane Attacken“ gehandelt. Die Gruppierung hatte Ende vergangenen Jahres offiziell der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat, die in Syrien und im Irak kämpft, die Treue geschworen. Die Gruppe hatte sich im Zuge des Machtvakuums gebildet, das nach dem Sturz von Präsident Husni Mubarak 2011 entstanden war.

Staatspräsident al-Sisi war am Donnerstag zu einem Gipfel der Afrikanischen Union nach Addis Abeba in Äthiopien gereist. Nach der Eröffnungssitzung am Freitag kehrte er nach Kairo zurück, um die Lage auf dem Sinai zu überwachen, wie sein Büro mitteilte.

Die Gewalt auf der Halbinsel hat seit dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi durch das Militär im Juni 2013 deutlich zugenommen. Das Verhältnis der Beduinenstämme in der dünn besiedelten Wüstenregion zur Zentralregierung in Kairo ist seit Langem angespannt. Seit dem Sturz Mursis sind zudem diverse islamistische Gruppen in dem Gebiet zwischen Mittelmeer und Rotem Meer aktiv, die immer wieder Anschläge auf die Sicherheitskräfte verüben. Den Gruppen mangelt es nicht an modernen Waffen – das Resultat des Sturzes des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, dessen gut gefüllte Waffendepots geplündert und im gesamten Nahen Osten verkauft wurden. Ägyptische Quellen behaupten zumindest, die Islamisten im Sinai erhielten konkrete Hilfe und Nachschub aus dem Gazastreifen, aus dem sich auch ein Teil ihrer Kämpfer rekrutiere.