Terror

Acht Tote bei IS-Überfall auf Luxushotel

Bewaffnete stürmen Fünf-Sterne-Herberge in Libyens Hauptstadt Tripolis. Unter den Opfern befinden sich fünf ausländische Gäste

Bei einem Überfall auf das Luxushotel „Corinthia“ in der libyschen Hauptstadt Tripolis sind am Dienstag mindestens acht Menschen getötet worden. Unter den Opfern seien fünf Ausländer, sagte ein Sprecher der Sicherheitskräfte, ohne deren Nationalitäten zu nennen. Zwei von ihnen sollen Frauen sein. Zudem seien zwei Wachleute sowie ein weiterer Mensch, den die Angreifer als „Geisel“ genommen hätten, getötet worden. Über Twitter bekannte sich der libysche Arm der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu dem Anschlag. Der Angriff sei eine Vergeltung für den Tod des Dschihadisten Abu Anas al-Libi. Der Mann gilt als ein Drahtzieher der Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im Jahr 1998. Damals kamen mehr als 200 Menschen ums Leben. Libi starb Anfang dieses Monats an Leberkrebs, kurz bevor in New York der Prozess gegen ihn beginnen sollte.

Der Chef der Spezialabwehreinheit, Mahmud Hamsa, sagte im Privatsender Al-Nabaa, die Situation sei „unter Kontrolle“, und es gebe keine Geiseln mehr im Hotel. Das erste Opfer gab es nach Angaben der Sicherheitskräfte, als am Morgen gegen 9 Uhr Ortszeit vor dem Hotel ein mit Sprengstoff präpariertes Auto explodierte. Durch die Explosion des Autos wurden fünf Menschen verletzt, darunter zwei philippinische Angestellte des Hotels. Danach hätten bewaffnete Männer das Hotel gestürmt, zwei Wachmänner erschossen und sich in dem Gebäude in die Luft gesprengt. Die Attentäter zündeten ihre Sprengstoffgürtel in der 24. Etage des Hotels, die normalerweise für diplomatische Vertreter Katars reserviert ist. Von ihnen hielt sich zum Zeitpunkt des Attentats aber niemand dort auf. Auch die fünf Ausländer wurden erschossen. Zudem hieß es, Sicherheitskräfte hätten später zwei der Extremisten töten können.

Schüsse in der Lobby

Ein Angestellter des am Mittelmeer gelegenen Hotels berichtete, fünf vermummte Angreifer mit kugelsicheren Westen hätten das Gebäude gestürmt, nachdem Sicherheitsleute an den Toren versucht hätten, sie aufzuhalten. Die Attentäter hätten anschließend in der Lobby wahllos auf Mitarbeiter geschossen. Angestellte und ausländische Gäste seien in Panik über die Hintertüren des Hotels auf den Parkplatz geflüchtet. Wegen Sicherheitsbedenken wurden zwei Bürohochhäuser in der Nähe evakuiert. Sicherheitskräfte umstellten das Hotel „Corinthia“, Schüsse waren zu hören. Das Hotel liegt an einer stark befahrenen Straße nahe einer Bushaltestelle und einem Markt. Auch der Chef der islamistischen Parallelregierung, Omar al-Hassi, befand sich nach Angaben der Sicherheitsbehörden in dem Gebäude, als der Angriff begann. Er sei aber in Sicherheit gebracht werden. Das Luxushotel ist bei ausländischen Diplomaten und Journalisten beliebt und gilt als wichtiger Treffpunkt für Verhandlungen. Es ist eines der am besten gesicherten Gebäude in Tripolis. Allerdings war es im Oktober 2013 schon einmal Ziel eines Angriffs. Damals verschleppten Milizionäre den damaligen Premierminister Ali Seidan aus dem Hotel.

Die Sicherheitslage in Tripolis ist seit Monaten sehr gespannt. Immer wieder gibt es Bombenanschläge und Schießereien. Seit dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi 2011 erlebt das Land einen Verfall der staatlichen Ordnung. Derzeit hat es zwei rivalisierende Regierungen und Parlamente, die jeweils von unterschiedlichen Milizen gestützt werden und die Ölvorkommen des Landes für sich beanspruchen. Tripolis steht derzeit unter der Kontrolle des Bündnisses Fadschr Libya (Libysche Dämmerung), eines Zusammenschlusses islamistischer Milizen.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini verurteilte den Anschlag auf das Hotel in Tripolis als „Terrorakt“ und einen Schlag gegen die Friedensverhandlungen in Genf. Dort hatten sich die libyschen Konfliktparteien unter UN-Vermittlung auf einen Fahrplan zur Bildung einer Einheitsregierung geeinigt. Trotz des Abkommens dauern die Gefechte in Libyen aber an. Alleine in Bengasi wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen vom Montag binnen 24 Stunden 18 Menschen getötet.