Raketenangriff

Ukraine ruft Staatstrauer aus

Poroschenko fordert trotz Gewalt in Mariupol Friedensgespräche

Nach dem Tod von mindestens 30 Zivilisten bei einem Raketenangriff auf die ukrainische Hafenstadt Mariupol hat die Führung in Kiew für diesen Sonntag eine Staatstrauer ausgerufen. Für Mittag ordnete Präsident Petro Poroschenko eine Schweigeminute an. Auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in der ukrainischen Hauptstadt zündeten Trauernde in der Nacht Kerzen an, mit denen sie den Namen Mariupol auf dem Pflaster formten.

Bei dem Beschuss eines Wohnviertels in der von Regierungstruppen beherrschten Hafenstadt wurden nach Behördenangaben auch rund 100 Menschen verletzt. Mehr als 50 Häuser wurden beschädigt, darunter vier Schulen und drei Kindergärten. Nach Untersuchungen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kam der Beschuss aus dem Gebiet prorussischer Separatisten östlich von Mariupol. Das ukrainische Militär und die Aufständischen geben sich gegenseitig die Schuld für den Angriff.

Die Separatisten hatten am Sonnabend nach eigenen Angaben eine Offensive auf Mariupol begonnen. In der Nacht zum Sonntag habe es aber keine neuen Gefechte bei Mariupol gegeben, teilte die Stadtverwaltung mit. Nordöstlich der Separatistenhochburg Donezk sei es vereinzelt zu Kämpfen gekommen, berichtete die Militärführung in Kiew.

Im UN-Sicherheitsrat scheiterte die Abstimmung über eine Verurteilung der Ereignisse in Mariupol. Großbritannien warf Russland eine Blockade vor. Die russische Delegation erklärte, die Abstimmung sei gescheitert, weil Großbritannien auf eine Verurteilung der Aufständischen in der Ostukraine gedrungen habe und Handlungen der Führung in Kiew nie kritisiert würden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier setzt im Ukraine-Konflikt weiter auf die Vierertreffen mit Russland, der Ukraine und Frankreich. „Wir sehen ja keine Alternative, als es immer wieder zu versuchen“, sagte Steinmeier am Sonntag bei einem Besuch in Algerien. An Russland appellierte er erneut, seinen Einfluss auf die prorussischen Separatisten geltend zu machen, damit sich die Lage im Osten der Ukraine wieder entspanne. „Wir sollten das Ende der Diplomatie nicht zu früh erklären. Wer es erklärt, nimmt in Kauf, dass die Dinge sich selbst überlassen werden“, sagte Steinmeier in Algier. Deutschland versucht seit Monaten zusammen mit Frankreich, zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln.