Exekution

Keine Gnade für Drogendealer in Indonesien

Proteste gegen Hinrichtung von fünf Ausländern

Um kurz nach Mitternacht drückten die Soldaten vom Hinrichtungskommando ab: Fünf Ausländer und eine Indonesierin wurden am Sonntagmorgen wegen Drogenhandels exekutiert. Sie wurden in Paaren erschossen – trotz internationaler Gnadenappelle und heftiger Kritik von Menschenrechtsorganisationen. Indonesiens Regierung verteidigte die umstrittenen Urteile – die ersten seit März 2013 und die ersten unter dem neuen Präsidenten Joko Widodo. Diese harte Abschreckung sei nötig, um dem wachsenden Drogenhandel im Land Herr werden zu können. Es gebe „keine Entschuldigung für Drogenhändler“, sagte der Generalstaatsanwalt des Landes, Muhammad Prasetyo. Noch immer befinden sich 64 weitere Angeklagte wegen Drogenvergehen in Todestrakten, ein Drittel davon Ausländer. Nationale Statistiken belegten, so Prasetyo, dass täglich 40 bis 50 Menschen durch Drogen sterben. Der Inselstaat mit seinen 250 Millionen Einwohnern ist inzwischen Südostasiens größter Drogenmarkt.

Die vier Männer aus Brasilien, Malawi, Nigeria und den Niederlanden sowie die indonesische Frau sind in einem Hochsicherheitsgefängnis auf der Insel Nusakambangan hingerichtet worden. Eine Verurteilte aus Vietnam wurde in der kleinen Stadt Boyolali, in der Provinz Java, exekutiert. Im Dezember hatte Präsident Widodo ihre Gnadengesuche endgültig abgelehnt. Er wies auch einen persönlichen Appell in letzter Minute von Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff und der holländischen Regierung, ihre Landsleute zu schonen, unbeirrt zurück.

Außenminister Bert Koenders aus den Niederlanden erklärte noch am späten Sonnabend, er habe aus Protest über die Hinrichtung kurzfristig den Botschafter seines Landes in Jakarta abgezogen und den indonesischen Repräsentanten in Den Haag einberufen. Zuvor hätten sich König Willem-Alexander und Premier Mark Rutte persönlich an Widodo gewandt. Polizisten hatten bei dem 2003 verhafteten 52-jährigen niederländischen Staatsbürger Ang Kiem Soe eine Ausrüstung gefunden, mit der offenbar drei Jahre lang bis zu 15.000 Ecstasy-Pillen pro Tag hergestellt wurden. Die Sicherheitskräfte konfiszierten zudem 8000 Pillen und Tausende von Dollars.