Kommentar

Schleichwege mitten in der Stadt

Brigitte Schmiemann über Tempolimit statt Sanierung

Berlin entschleunigt. Aber nicht freiwillig. Auf immer mehr Straßen gilt Tempo 10. Neu dazu gekommen ist die Yorckstraße – die schnellste Verbindung zwischen Schöneberg und Kreuzberg. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg zog die Notbremse. Nicht etwa, weil das Geld für die nötige Straßensanierung nicht da wäre. Nein, weil eine andere Behörde – die Verkehrslenkung Berlin, die bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angesiedelt ist – nicht genügend Personal hat, um die Arbeiten zu genehmigen. Ein Armutszeugnis der Logistik innerhalb städtischer Verwaltungen, wenn gerade an solchen entscheidenden Schaltstellen Personal fehlt.

Die Schlaglöcher werden größer, werden mehr, müssen zwischendurch notdürftig repariert werden, ein Teufelskreis, der dazu führt, dass am Schluss die Arbeiten teurer werden, als wenn man die Fahrbahndecke sofort und ordentlich saniert hätte. Abgesehen davon sind die Radfahrer auf der Straße – und die gibt es, weil die Radwege dort nicht weniger marode sind als die Fahrbahn – sehr gefährdet durch den schlechten Straßenzustand. Da ist nicht nur das Blech, sondern der Mensch gefährdet.

Berliner Baufirmen demonstrierten Anfang des Jahres sogar, um ihrem Ärger Luft zu machen, wie schleppend die Verkehrslenkung Berlin die Anträge auf Baustelleneinrichtungen und Verkehrssicherungen bearbeitet. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, bei der die Verkehrslenkung angesiedelt ist, hat Besserung zwar angekündigt. Aber erst in einigen Monaten soll der Personalmangel behoben werden. Bis dahin geht es weiter nur stockend vorwärts. Jedenfalls bei der Bearbeitung von Straßenbauarbeiten. In der Yorckstraße nämlich hält sich so gut wie niemand an Tempo 10. Das war schon im vergangenen Jahr so, als dort noch 30 galt. Selbst die Radfahrer sind schneller.