Befreiung

Zurück in der Heimat

168 Tage Geiselhaft in Syrien: Greta Ramelli und Vanessa Marzullo sind wieder in Italien

Nach 168 Tagen in der Gewalt syrischer Terroristen sind Vanessa Marzullo und Greta Ramelli wieder in Freiheit. Die zwei Italienerinnen wurden am Donnerstag über die Türkei nach Rom geflogen. An Bord des Flugzeugs befand sich auch der italienische Außenminister Paolo Gentiloni.

Das Bangen und Zittern ist zu Ende. Ende Juli verschwanden Vanessa und Greta im syrischen Aleppo spurlos. Am 31. Dezember schließlich tauchte im Internet ein Video auf. 23 Sekunden dauerte es. Vanessa und Greta waren in schwarze muslimische Kleider gehüllt. Greta las von einem Zettel ab, Vanessa hielt ein Blatt Papier hoch. Darauf stand der vermeintliche Tag der Aufnahme: „17.12.14. Wednesday“. „Wir sind Greta Ramelli und Vanessa Marzullo. Wir flehen unsere Regierung und die Mittler an, uns vor Weihnachten nach Hause zu holen. Wir befinden uns ins großer Gefahr. Wir können getötet werden“, sprach Greta auf englisch in die Kamera „Unsere Regierung und die Mittler sind verantwortlich für unsere Leben.“ Im Film wirkten Vanessa und Greta blass und abgemagert.

Monatelange Verhandlungen mit den Entführern waren vorausgegangen. Es war extrem kompliziert, weil mehrere terroristische Gruppen ihre Finger im Spiel hatten. Zuerst war von der „Free Syrian Army“ die Rede. Dann mischte sich die radikal-islamische Al-Nusra-Front ein. Die Gruppe ist ein Ableger des Terrornetzes al-Qaida.

Die gelungene Befreiung wird indes auch kritisch gesehen. Die italienische Regierung hat offenbar ein Lösegeld an die Entführer bezahlt. Im Internet verbreiten syrische Rebellen die Zahl 12 Millionen Dollar.

Rechtskonservative Parteien gaben sich über die Befreiungsaktion irritiert. „Greta und Vanessa haben sich und den italienischen Staat bewusst in eine riskante Lage gebracht. Sie sind freiwillig in dieses Land gereist“, sagte Massimo Corsaro von der Partei Fratelli d'Italia. „Wir müssen jetzt von der Ministerin Boschi wissen, ob sie ausschließen kann, dass hier Geld geflossen ist, um die beiden Mädchen nach Hause zu bringen.“ Auch die Protestbewegung Fünf Sterne forderte mehr Informationen.

Der italienische Außenminister Paolo Gentiloni hat unterdessen bestritten, dass Italien Lösegeld gezahlt habe. Entsprechende Berichte basierten nicht auf der Realität und seien „von den Terroristen verbreitet“ worden.

Getroffen hat es mit Greta und Vanessa zwei junge Frauen mit Idealen. Die beiden Studentinnen, beide Anfang 20, gründeten zusammen mit Roberto Andervill das Projekt Horryaty, um in islamischen Ländern Hilfseinsätze zu organisieren. Am 31. Juli, kurz nach ihrer Ankunft, wurden sie in dem Ort Abizmu entführt. Alarm schlug als erster der Journalist Daniele Raineri, der für die Tageszeitung „Il Foglio“ schreibt. Raineri war mit Greta und Vanessa über die Türkei nach Syrien eingereist. Der Journalist hatte Glück und konnte rechtzeitig fliehen.