Militär

Tschad schickt Truppen gegen Boko Haram

Präsident Déby will Baga in Nordnigeria zurückerobern

Der Tschad will zur Bekämpfung der Islamistengruppe Boko Haram Truppen in die Nachbarländer Kamerun und Nigeria entsenden. Das Parlament in der Hauptstadt N’Djamena stimmte am Freitag einstimmig für einen entsprechenden Vorschlag von Präsident Idriss Déby. Unterdessen wurde bekannt, dass die Boko-Haram-Kämpfer bei ihrem brutalen Angriff auf die nordnigerianische Stadt Baga Anfang Januar offenbar Hunderte Frauen und Kinder in ihre Gewalt gebracht haben.

Die Abgeordneten der Nationalversammlung in N’Djamena votierten einstimmig für eine Vorlage, wonach „ein Kontingent“ tschadischer Truppen die Streitkräfte Kameruns und Nigerias „im Krieg gegen die Terroristen“ unterstützen soll. Präsident Déby kündigte an, die Stadt Baga, die auf der nigerianischen Seite des Tschad-Sees liegt, aus der Hand der Islamisten zurückerobern zu wollen.

Angriffe auf Kamerun ausgeweitet

Boko Haram kämpft seit rund sechs Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Im Zuge des Konflikts wurden bereits mehr als 13.000 Menschen getötet und 1,5 Millionen weitere vertrieben. Zuletzt hatte die Miliz ihre Angriffe auch auf den äußeren Norden Kameruns ausgeweitet. Der Tschad blieb bislang verschont. Die Hauptstadt N’Djamena ist jedoch nur durch einen schmalen Landstreifen von Nigeria getrennt.

Am Donnerstagabend hatte zunächst der zweite kamerunische Präsident, Paul Biya, verkündet, dass der Tschad ein „großes Kontingent“ von Soldaten in sein Land entsenden wolle. Wie groß dieses Kontingent genau sein soll und wann der Einsatz beginnt, war am Freitag noch unklar.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hatte am Donnerstag einen Bericht und Satellitenbilder veröffentlicht, die die Boko-Haram-Attacke auf Baga und umliegende Ortschaften am 3. Januar dokumentieren. Amnesty sprach von der bislang „größten und zerstörerischsten Attacke“ der Islamisten. US-Außenminister John Kerry und der französische Präsident François Hollande warfen Boko Haram „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vor.

Nach Angaben von Überlebenden tötete Boko Haram in Baga nicht nur viele Menschen, sondern nahm auch Hunderte Frauen und Kinder gefangen. Die Augenzeugin Kaltuma Wari, die nach eigenen Angaben von den Islamisten freigelassen wurde, sagte, in einer Schule in Baga würden „mehr als 500 Frauen und Hunderte Kinder“ festgehalten. Amnesty hatte unter Berufung auf eine Augenzeugin berichtet, dass rund 300 Frauen gefangen genommen und in einer Schule festgehalten wurden. Eine unabhängige Bestätigung für die Berichte gab es nicht.