Terror

Pegida-Demos im Visier von Terroristen?

Im Internet rufen Islamisten zu Anschlägen in ganz Europa auf

Das Bundeskriminalamt (BKA) ist besorgt über die Sympathiebekundungen von Islamisten für die Attentäter von Paris. Der Grund: Im Internet werden die Attentate der Kouachi-Brüder und Amedy Coulibalys zunehmend bejubelt. Das BKA registriert auch offene Aufrufe zu Terroranschlägen – unter anderem in Deutschland. In einem geheimen Lagebild der Wiesbadener Behörde („VS- Nur für den Dienstgebrauch“), das 25 Seiten umfasst und der Berliner Morgenpost vorliegt, heißt es: „Der Anschlag kann allerdings auch als Initial für in Deutschland lebende/aufhältige und tatgeneigte Personen wirken.“ Allerdings würden den deutschen Sicherheitsbehörden „konkretisierende Erkenntnisse oder Hinweise“ derzeit nicht vorliegen.

Seit einigen Tagen verzeichnet das BKA allerdings besorgniserregende Äußerungen im Internet. Sowohl auf einschlägigen deutschen Seiten als auch in arabischsprachigen Foren würden „der Anschlag auf das Redaktionsbüro des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ begrüßt bzw. gerechtfertigt sowie die Attentäter beglückwünscht“.

Ein polizeibekannter Islamist rief laut dem Lagebild am 7. und 8. Januar in deutscher Sprache zu Anschlägen auf. Dabei erklärte er, es reiche aus, wenn gelegentlich Terroranschläge verübt würden. In der EU gebe es noch genug Ziele; Deutschland sei das „nächste Ziel“. Nach Informationen der Morgenpost konkretisierte der Extremist am Montag seine Drohung. Er schrieb, er hasse die Ungläubigen und werde sie bis zum Tod bekämpfen. Der Mann bezeichnete die bundesweiten Pegida-Demonstrationen als „Schweinemärsche“ und nannte sie als potenzielles Anschlagsziel. Laut BKA forderte auch der österreichische Dschihadist Mohamed Mahmoud, der sich nach Informationen dieser Zeitung aktuell in Syrien aufhält, seine Glaubensbrüder über Twitter auf, Attentate in Deutschland und Österreich zu verüben. Die Rede ist vom „Abschlachten“ sogenannter Ungläubiger.

Wie die Anschläge von Paris inzwischen für Propagandazwecke missbraucht werden, belegt ein Video, auf das BKA-Ermittler in dem Internetforum Shumukh al-Islam stießen. Dort hat ein Nutzer, dessen übersetzter Name „Wachsamkeit und Härte“ bedeutet, einen Film „Oh Gesandter Allahs, wir haben uns gerächt“ eingestellt. Unterlegt mit dschihadistischen Gesängen, wird darin zu Mordanschlägen aufgerufen. Zu sehen ist im Video auch ein Poster mit prominenten Islamkritikern.