Extremismus

Um 19.05 Uhr geht das Licht aus

Brandenburger Tor wird aus Protest gegen Bärgida-Aufzug erstmals verdunkelt

Es war ein paar Minuten nach 19 Uhr, als das Brandenburger Tor plötzlich im Dunklen lag. Eine Stunde lang blieb das berühmteste Wahrzeichen Berlins während der Demonstration des Berliner Pegida-Ablegers Bärgida ohne Licht. Damit setzte die Senatskanzlei, die für die Beleuchtung des Denkmals zuständig ist, ein klares Zeichen gegen den Aufmarsch der umstrittenen islamfeindlichen Gruppierung.

Zuvor waren mit dem Kölner Dom und der Semperoper in Dresden schon andere städtische Wahrzeichen in ganz Deutschland verdunkelt worden, um gegen die Treffen der ausländerfeindlichen Initiative in verschiedenen deutschen Großstädten zu protestieren.

Dass der Bewegung auch in der Hauptstadt das Licht ausgeblasen wurde, geht auf einen Vorschlag von Ramona Pop, Fraktionschefin der Grünen in Berlin, zurück. Das Brandenburger Tor dürfe keine Kulisse für Menschen bieten, die fremdenfeindlich, rassistisch und antisemitisch seien, hatte die Politikerin am Morgen zuvor in einem Gespräch mit dem Radiosender 104.6 RTL gefordert. „Schön zu sehen, dass dieser Vorschlag so schnell umgesetzt wurde“, sagt Julian Mieth, stellvertretender Pressesprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. „Vor allem der Rundumgriff, dass nicht nur am Brandenburger Tor, sondern auch an der Siegessäule das Licht ausgeschaltet wurde, ist ein klares Zeichen.“

Wer aber entscheidet über die Beleuchtung und die Verdunkelung der Berliner Wahrzeichen? In Zusammenarbeit der Senatskanzlei mit der Kulturverwaltung und der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) sowie unter informeller Einbindung der zuständigen Polizeidirektion sei am Montagnachmittag entschieden worden, das Licht ab 19.05 Uhr abzuschalten, erklärte Diedrich Wulfert, Sprecher der Senatskanzlei. Ein solcher Schritt sei niemals zuvor vorgenommen worden.

Trotzdem habe es über dieses Vorgehen im Vorfeld keine Diskussion gegeben, so Wulfert. Die Entscheidung sei von Senatskanzlei, Kulturverwaltung und BIM einstimmig getroffen worden. Wulfert bestätigt, dass es durchaus möglich sei, bei ähnlichen Umständen in nächster Zeit erneut so zu handeln.