Schiffsunglück

Offenbar blinde Passagiere auf der griechischen Fähre

Insgesamt 18 Deutsche gerettet, darunter auch ein Berliner

Nach dem Fährunglück in der Adria hat sich die Zahl der Toten am Montag auf mindestens zehn Menschen erhöht. 427 Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten nach Stunden voller Angst von der „Norman Atlantic“ gerettet werden. Unstimmigkeiten in der Passagierliste und die Aussagen Überlebender schürten die Furcht, es könne weitere Tote geben. Von der havarierten Fähre sind nach Angaben des griechischen Ministers für Handelsschifffahrt, Miltiadis Varvitsiotis, auch Menschen gerettet worden, die nicht auf der Passagierliste standen. Wie Varvitsiotis im Fernsehsender Mega sagte, seien ungefähr 20 Unbekannte unter den Geretteten, die eine griechische Militärmaschine im italienischen Bari aufnehmen sollte. Das nährt den Verdacht, dass sich an Bord auch mehrere blinde Passagiere befunden haben.

Lkw-Fahrer schliefen in ihren Trucks

Eine Lkw-Fahrerin, die zusammen mit weiteren 42 Geretteten von Bari nach Athen ausgeflogen worden war, sagte griechischen Medien: „Drei meiner Kollegen sind umgekommen.“ Die Trucker hätten in der Fahrerkabine geschlafen. Niemand habe die Passagiere rechtzeitig alarmiert. Ähnlich hatte sich zuvor Lkw-Fahrer Christos Pergis geäußert: „Ja, es gab Kollegen, die im Truck geschlafen haben, weil es nicht genug Kabinen gab.“

Die Suche nach Vermissten gehe weiter, teilte der italienische Transportminister Maurizio Lupi mit. Es gebe Ungereimtheiten mit der Passagierliste, auf der 478 Personen standen. Der Verbleib Dutzender Menschen war daher unklar.

Das Schiff der griechischen Anek Lines treibt vor der Küste Albaniens. Das Wetter erschwert die Operationen mit Hubschraubern und Schiffen. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass es noch Vermisste in dem Wrack gibt oder Menschen vor der Rettung ins Wasser gesprungen sind.

Unter den Passagieren waren auch 18 Deutsche. Zwei von ihnen kamen am Montag mit einem Containerschiff im Hafen von Bari an. Den beiden aus Saarbrücken und Berlin gehe es so weit gut, sie würden nun nach Deutschland zurückgebracht, sagte eine Mitarbeiterin des deutschen Konsulats in Bari.