Neue US-Politik

Kubaner fürchten Nachteile der neuen Entspannung

Annäherung an die USA macht die Einwanderung schwieriger

Wie Zehntausende seiner Landsleute in Kuba möchte auch Gerardo Luis in die USA. Doch seit Kurzem sorgt er sich, ob die Zeit dafür knapp wird. Denn die jüngsten Zeichen der Entspannung zwischen Kuba und den USA haben zwar Freude ausgelöst, doch herrscht auch Furcht, dass bessere Beziehungen ein Ende der Vorzugsbehandlung für kubanische Einwanderer bringen könnten.

Seit fast einem halben Jahrhundert war Kubanern, die in den USA ankommen, ein Aufenthaltsrecht und die spätere Einbürgerung praktisch garantiert. Das Wissen darum, dass sie nicht ausgewiesen werden, ließ Hunderttausende Kubaner eine gefährliche Bootsfahrt nach Florida oder die Reise über Mittelamerika und Mexiko unternehmen. Würde das geändert, „würde das bedeuten, dass Kubaner enden wie alle anderen Lateinamerikaner, die in die Vereinigten Staaten einreisen wollen“, sagt Luis, ein 36-jähriger Bauarbeiter.

Aus den USA wird verlautet, es gebe unmittelbar keine Pläne, die Einwanderungspolitik zu ändern. Doch nun, da beide Staaten über eine vollständige Wiederherstellung ihrer diplomatischen Beziehungen verhandeln, fragen sich viele Kubaner, wie lange ihr privilegierter Status noch andauern wird. Und sie denken darüber nach, schneller als eigentlich geplant in die USA auszureisen.

Automatisches Bleiberecht

Nach einem Gesetz aus dem Jahr 1966 erhalten Kubaner, die an einer US-Grenze oder einem -Flughafen ankommen, automatisch ein Bleiberecht. Nach einem Jahr dürfen sie eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung beantragen, die fast immer gewährt wird. Um eine Massenflucht über das Meer zu verhindern, gilt jedoch, dass diejenigen, die auf See aufgegriffen werden, entweder zurück in ihre Heimat oder in einen Drittstaat gebracht werden.

Die Wiederherstellung diplomatischer Beziehungen könnte für Komplikationen sorgen. Generell werden illegal Eingewanderte, die unmittelbar nach dem Grenzübertritt aufgegriffen werden, ohne Anhörung umgehend ausgewiesen. Kubaner sind davon ausgenommen, wenn sie ihre Nationalität nachweisen können.

Das auf Kubaner zugeschnittene Gesetz, der sogenannte Cuban Adjustment Act, wurde in einer Zeit verabschiedet, als die politischen Verhältnisse für viele Migranten einen wichtigen Grund für ihre Entscheidung darstellten, das Land zu verlassen. In den vergangenen Jahren emigrierten Kubaner jedoch vor allem immer häufiger , um zu ihrer Familie zu ziehen und wegen der besseren wirtschaftlichen Verhältnisse in den USA.

Die Interessenvertretung der USA in Havanna genehmigte im vergangenen Jahr 33.000 Besuchsvisa für Kubaner, eine Steigerung um 99 Prozent. Zudem werden die Visa immer schneller erteilt. Die Wartezeit ging von 57 Monaten 2012 auf fünf Monate in diesem Jahr zurück. Dennoch müssen Kubaner einiges dafür auf sich nehmen. Reisewillige stehen ab dem Morgengrauen stundenlang vor der Interessenvertretung Schlange.