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AfD will sich von Radikalen in ihren Reihen trennen

Ratsmitglieder, die zusammen mit der NPD abstimmen, ein Kreisvorsitzender, der behauptet, die Alliierten hätten die Gaskammern im KZ Dachau nachträglich eingebaut – an Rechtsradikalen und Spinnern herrscht bei der Alternative für Deutschland (AfD) kein Mangel.

Der Bundesvorstand gibt sich zwar alle Mühe, Mitglieder mit extremen Ansichten aus der Partei zu drängen. Doch die Zahl der „Problemfälle“ wird zunehmend zu einer Belastung für den Parteivorstand. Das Bundesschiedsgericht der AfD wurde dieses Jahr in etwa 40 Fällen angerufen.

Besonders schlimm war es für Lucke & Co im Oktober. Der Nürnberger Kreisvorsitzende Martin Sichert verstieg sich zu der Äußerung, im 2. Weltkrieg hätten die „zwei größten Massenmörder gesiegt“. Am gleichen Wochenende schockierte Dirk Helms seine Parteikollegen bei einer AfD-Veranstaltung in Stockelsdorf. Laut einem Bericht der „Lübecker Nachrichten“ sagte er, die Alliierten hätten die Gaskammern im Konzentrationslager Dachau nachträglich eingebaut. Lucke stellte damals zu Sichert und Helms fest: „Solche Meinungen sind völlig untragbar. Sie werden in der AfD nicht geduldet.“ Eine Antwort auf die Frage, weshalb seine Partei eine so hohe Anziehungskraft auf Rechtsradikale ausübt, bleibt der Parteichef aber schuldig. Er sagt: „Jeder, der bei uns ist, ist einer zu viel, aber die Zahl der Fälle liegt, wenn man unsere Mitgliederzahl von mehr als 21.000 betrachtet, im Promillebereich.“