Religion

Krippen in Frankreich umstritten

Klagen vor zwei Gerichten auf Abbau des Weihnachtssymbols

Der Streit über Weihnachtskrippen in Rathäusern und anderen staatlichen Verwaltungen in Frankreich weitet sich aus: Nach einem ersten Fall in Westfrankreich befassten sich am Freitag zwei Gerichte bei Paris und in Südfrankreich mit der Forderung von Anhängern des Laizismus, dass die christlichen Weihnachtskrippen in Rathäusern abgebaut werden müssten. Hintergrund ist der strikte Grundsatz der Trennung von Staat und Kirche in Frankreich. Die Verfechter dieser laizistischen Tradition sehen in den Weihnachtskrippen einen Verstoß gegen das Verbot religiöser Symbole in öffentlichen Einrichtungen. Erst vor wenigen Tagen hatte ein Gericht im westfranzösischen Nantes den Generalrat des Départements Vendée dazu verurteilt, eine Weihnachtskrippe in seinen Räumlichkeiten wieder abzubauen.

Ein Gericht in der Stadt Melun bei Paris befasste sich nun mit einer Klage der Vereinigung der Freidenker von Seine-et-Marne, die bereits Ende 2012 eine Beschwerde gegen das Rathaus wegen „Kompetenzüberschreitung“ eingereicht hatte. Dort weigert sich der konservative UMP-Bürgermeister Gérard Millet seit Jahren, der Forderung nach einem Verzicht auf eine Weihnachtskrippe im Hof des Rathauses nachzukommen. „Seit 2005 sagen wir ihm jedes Jahr, dass in dieser Krippe ein kleiner Jesus liegt und dass es nicht nur Christen in Melun gibt“, hob Gérard Docquin, der Sekretär der Vereinigung, hervor. Der Bürgermeister müsse mehr noch als andere die Gesetze respektieren.

Für das Rathaus ist die Krippe einfach eine „Tradition“. „Diese Weihnachtskrippe ist kein religiöses Symbol, sondern Ausdruck eines religiösen Ereignisses. Das ist eine Tradition“, sagte der Anwalt des Rathauses von Melun, Mathieu Pagnoux.

Der staatliche Berichterstatter widersprach dem bei der Anhörung allerdings. Er sprach sehr wohl von einem „religiösen Symbol“, noch dazu weil der Stab eines der drei Heiligen Könige die Form eines Kreuzes habe – das Bischofssymbol in der katholischen Religion. Er empfahl daher den Abbau der Krippe. Das Gericht, das häufig den Empfehlungen der staatlichen Berichterstatter folgt, gibt seine Entscheidung am Montag bekannt.

Mit einem ähnlichen Fall befasste sich auch das Verwaltungsgericht von Montpellier. Es prüfte den Fall der Weihnachtskrippe in der Stadt Béziers.

Das Gericht wies die Klage eines Einwohners und der Menschenrechtsliga ab. Es bestehe keine Dringlichkeit, weil nichts auf „die Störung der öffentlichen Ordnung“ hindeute. Die Anhörung habe nicht erbracht, dass der Aufbau einer Weihnachtskrippe „die Prinzipien der Laizität und Neutralität“ verletze.