Terrordrohungen

FBI: Nordkorea steckt hinter dem Sony-Hackerangriff

Pjöngjang dementiert, spricht aber von einer „gerechten Tat“

Die US-Bundespolizei FBI hat die nordkoreanische Regierung formal des Hackerangriffs auf Sony Pictures beschuldigt. Sie habe genügend Beweise, um schlussfolgern zu können, dass das abgeschottete kommunistische Land für die Attacke verantwortlich sei, teilte die US-Behörde am Freitag mit. Es war die erste offizielle Stellungnahme seitens der USA seit dem Angriff auf die US-Tochter des japanischen Konzerns. Die US-Regierung erwäge verschiedene Optionen, um auf den Angriff zu reagieren, sagten Regierungsbeamte.

Hintergrund der Attacke auf Sony Pictures war mutmaßlich die geplante Veröffentlichung der Komödie „The Interview“ mit James Franco und Seth Rogen, in der es um ein fiktives Attentat auf den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un geht. Den Kinostart in Nordamerika am 25. Dezember hatte Sony Pictures nach Terrordrohungen einer Gruppierung abgesagt. Zuvor hatten sich mehrere führende Kinoketten in den USA entschlossen, den Film aus Sicherheitsgründen zunächst nicht zu zeigen.

US-Präsident Barack Obama kritisierte, dass der Filmstart am 25. Dezember abgesagt wurde. Das Filmstudio Sony Pictures habe damit einen „Fehler begangen“, sagte Obama am Freitag bei seiner Jahresend-Pressekonferenz im Weißen Haus in Washington. Er könne die Sorgen von Sony zwar verstehen, hätte sich aber gewünscht, dass das Filmstudio anders entschieden hätte. „Wir können nicht in einer Gesellschaft leben, in der irgendein Diktator irgendwo anfängt, in den USA Zensur auszuüben.“ Obama bestätigte, dass nach US-Informationen Nordkorea hinter dem Hackerangriff stehe. „Wir werden darauf entsprechend antworten, wann und wie wir es wollen.“ Einzelheiten wolle er aber nicht öffentlich machen, sagte Obama.

Nordkorea wies den Vorwurf des FBI zurück, hinter der Hackerattacke zu stehen. „Unser Land hat keine Beziehung zu dem Hacker“, erklärte die nordkoreanische UN-Vertretung in New York am Freitag. In einer von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Erklärung hatte die nordkoreanische Militärführung die Attacke aber als „gerechte Tat“ gut geheißen. Sony habe mit dem Film die „Würde“ von Kim Jong-un verletzt.

„Nordkoreas Aktionen zielten darauf ab, einem US-Unternehmen bedeutenden Schaden zuzufügen und die Rechte der US-Bürger auf freie Meinungsäußerung zu unterdrücken“, hieß es in der Erklärung des FBI. „Solche Akte von Einschüchterung sind außerhalb des Rahmens von akzeptablen staatlichem Verhalten.“

Erinnerungen an den 11. September

Es war bereits spekuliert worden, dass Nordkorea hinter dem Hackerangriff stecken könnte, bei dem neben privaten E-Mails und Drehbüchern unter anderem fast 50.000 Sozialversicherungsnummern und andere persönliche Informationen von Angestellten gestohlen wurden. Sony wird wegen des Hackerskandals bereits von ehemaligen Mitarbeitern verklagt. Unter anderem wird dem Konzern vorgeworfen, zu lange gewartet zu haben, um Angestellte über den Diebstahl zu informieren. Vor einigen Tagen sprach die Hackergruppe wegen „The Interview“ dann ominöse Drohungen aus und erinnerte an die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA.

Unterdessen wurde bekannt, dass Russland Machthaber Kim Jong-un zur Feier des 70.Jahrestages des Sieges über Hitlerdeutschland am 9. Mai 2015 nach Moskau eingeladen hat. „Ja, eine solche Einladung wurde verschickt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Es wäre die erste Auslandsreise seit der Machtübernahme von Kim Jong-un. Sein Vater, Kim Jong-il, besuchte Russland im Jahr 2011 – kurz vor dessen Tod.