Demonstration

Massenproteste gegen Polizeigewalt

Nach dem Tod von drei Schwarzen demonstrieren Menschen in mehr als 20 Städten der USA

Zehntausende Menschen sind in den USA zu Protestmärschen gegen Polizeigewalt auf die Straße gegangen. Zu dem „Tag des Widerstandes“ hatten Bürgerrechtsorganisationen aufgerufen. Allein in der US-Hauptstadt Washington beteiligten sich nach Angaben der Organisatoren zwischen 40.000 und 50.000Menschen.

In New York kamen mehr als 25.000Bürger zu einem „Marsch der Millionen“. Die meist jüngeren Menschen zogen vom Washington Square Park die Fifth Avenue hinauf und hoben vor einer Polizeiwache symbolisch die Hände, als würden sie sich ergeben. In Anspielung auf die New Yorker Polizeibehörde skandierten sie: „Wie buchstabiert man Rassismus? NYPD!“ Ein 33-jähriger Demonstrant aus Manhattan sagte: „Die amerikanische Kultur ist eingebettet in der Sklaverei. Die Gerichte, die Politik und die Kultur müssen sich verändern.“

Die Kundgebungen in mehr als 20größeren Städten, darunter auch Boston, Chicago, Los Angeles und San Francisco, waren die größten seit Beginn der Protestwelle vor drei Wochen. Sie hatte sich an der Entscheidung einer Grand Jury in Ferguson entzündet, einen weißen Polizisten nach tödlichen Schüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown nicht anzuklagen.

Die Demonstranten forderten eine bessere Überwachung von Polizeiaktionen, die Einsetzung von Sonderermittlern nach Fällen von Polizeigewalt und insgesamt ein Ende diskriminierender Praktiken der Polizei gegen Schwarze und andere Minderheiten.

An den Kundgebungen beteiligten sich auch viele Weiße, sagte in Washington die Polizeichefin Cathy Lanier. Sie wolle Solidarität mit der Gemeinde zeigen, sagte sie. Polizeigewalt sei ein Problem, „das wir in Angriff nehmen müssen“.

Fast alle Demonstrationen blieben friedlich. Nur in Boston, Oakland und New York kam es am Rande zu Zwischenfällen. In Boston nahm die Polizei nach eigenen Angaben 23 Personen fest, die eine Schnellstraße blockieren wollten. Als die Demonstranten an einem Gefängnis vorbeikamen, jubelten ihnen die Häftlinge zu und schlugen an die Zellenfenster. In Oakland im Bundesstaat Kalifornien nahm die Polizei bei den Protesten 45 Menschen fest. Die Vorwürfe der Beamten lauteten Vandalismus und Widerstand gegen die Staatsgewalt.

Die Menschenmenge in Washington marschierte unter dem Motto „Gerechtigkeit für alle“ von der Innenstadt zum Kapitol. Angeführt wurde sie von Bürgerrechtler Al Sharpton und den Angehörigen mehrerer Afroamerikaner, die in den vergangenen zehn Jahren durch Polizeigewalt ums Leben kamen. Mit dabei waren auch die Eltern von Michael Brown und dem an Asthma erkrankten Eric Garner, der im Juli in New York von einem Polizisten in den Würgegriff genommen und später gestorben war. Auch dieser Beamte war nicht angeklagt worden.

Garners Mutter Gwen Carr bezeichnete den Massenprotest in Washington als einen Moment, der in die Geschichte eingehen werde. „Wir hoffen, dass unsere Stimmen gehört werden“, sagte Carr auf der Kundgebung. „Wir werden so oft hierherkommen, wie es nötig ist.“

Die Demonstranten hatten Plakate dabei mit Aufschriften wie „Keine Gerechtigkeit – kein Frieden“, „Schwarze Leben zählen“, „Stoppt Killer-Polizisten“ und „Gerechtigkeit für alle“. Viele trugen T-Shirts mit dem Aufdruck „I can’t breathe“ in Erinnerung an Eric Garners letzte Worte. Im Würgegriff bei seiner Festnahme konnte der 43-Jährige kaum noch atmen und stammelte: „Ich krieg keine Luft.“

„Grundlegende Änderungen sind erforderlich“, sagte der 24-jährige Barkeeper Cole Fox, der in New York zusammen mit seiner Mutter demonstrierte. Beide hielten ein Transparent mit der Aufschrift „Grand-Jury-Reform jetzt“. „Schon in wenigen Tagen kann der nächste Schwarze oder Weiße umgebracht werden“, sagte Cole Fox. Die 21-jährige Studentin Rosalind Watson beklagte sogar einen „institutionalisierten Rassismus“. „Wenn jemand diesen Marsch sieht und sich unterstützt und sicherer fühlt, ist das schon ein Erfolg“, sagte sie während der Demonstration.