Umweltverschmutzung

„Wir müssen einfach hoffen“

Im Süden Israels leiden nach der Ölkatastrophe Natur und Anwohner

Gewöhnlich sehnt man sich in Israel nach Regen. Nach dem trockenen, heißen Sommer freuen sich die Israelis über jeden Tropfen, der vom Himmel fällt. Gerade im Süden, wo die Landschaft in Wüste übergeht und die Hitze im Sommer beinahe brennt. Doch in diesem Dezember wünschen sich die Menschen in der Gegend um Eilat nur, dass es trocken bleiben möge.

Denn das Gebiet ist verseucht mit Rohöl. Anfang Dezember brach nahe des Dorfes Beer Ora eine Pipeline: Millionen Liter Öl ergossen sich in die Landschaft. Sie flossen auch in ein nahes Naturschutzgebiet. Die Parkwächter kämpfen gegen das Öl. Sie tragen Schutzkleidung und Masken, gehen den Park zu Fuß ab. Öl, das sie entdecken, heben sie mit Schaufeln aus der Erde.

Schwereres Gerät können sie nicht nutzen – zu groß ist die Gefahr, dass die Natur Schaden nimmt. „Wir müssen sehr vorsichtig sein“, sagt Dr. Jehoschua Schkedi, oberster Wissenschaftler der israelischen Park- und Naturbehörde. „Die Aufräumarbeiten könnten mehr Schaden anrichten, als dass sie helfen.“

Etwa zwei Dutzend Parkwächter kämpfen seit mehr als einer Woche gegen das Öl. 2000 Kubikmeter haben sie bislang abgetragen, dazu Hunderttausende Kubikmeter verseuchter Erde. Die Arbeiten starten um sechs Uhr am Morgen und enden erst mit Einbruch der Dunkelheit, wenn die schwarzen Spuren nicht mehr zu erkennen sind. Einen Großteil des Öls haben die Behörden mittlerweile wieder geborgen. Doch die Gefahr ist noch nicht gebannt.

Insekten, Termiten und Kleintiere seien von dem Öl stark getroffen worden, sagt Schkedi. Auch die Gazellen, die in dem Parkgebiet leben, litten daran. Die Parkschützer hätten Tiere beobachtet, an deren Beinen Öl klebt. Gerne würden die Helfer eingreifen. „Aber es ist unmöglich, zu ihnen zu gelangen.“ Sie seien zu schreckhaft, eine Betäubung der Tiere kompliziert.

Sorgen macht sich Schkedi vor allem um die Bäume. Es ist unklar, ob das Öl die Wurzeln erreicht hat und ob die Pflanzen sich davon erholen können. „Wenn sie sterben, wird sich das auf andere Spezies auswirken“, sagt Schkedi. „Wir müssen einfach hoffen, dass sie überleben.“

Auch die Anwohner spüren die Folgen der Katastrophe noch deutlich. Der Nachrichtenseite „ynet“ zufolge klagen die Menschen in Beer Ora über Kopfschmerzen, Erbrechen und Atemprobleme. Und dann ist da der Regen. Schauer, die auf den Wüstenboden treffen, könnten schnell zu Sturzbächen anschwellen. Zu Beginn der Woche fürchteten Behörden und Helfer sogar, das ölige Wasser könnte dann ins Rote Meer fließen. Als es am Dienstag erstmals regnete, waren die Helfer vorbereitet, hatten Becken aufgestellt, die das Wasser auffingen.

Im politischen Zentrum des Landes läuft eine Diskussion über die Verantwortung für das Umweltunglück. Wenige Tage nach der Katastrophe wurde bekannt, dass weitaus mehr Öl ausgelaufen war als zunächst erwartet. Die Pipeline – als Projekt zwischen Israel und dem Iran gegründet – soll in den vergangenen Jahren immer wieder gebrochen sein. Doch Medienberichten zufolge wurde nie ein Verantwortlicher verurteilt, Untersuchungen endeten ohne Ergebnis. Die Zeitung „Haaretz“ berichtete sogar, Israels Militärzensoren hätten im Jahr 2012 einen kritischen Bericht über die Firma verhindert.

„Es ist mir egal, wer verantwortlich ist“, sagte eine Sprecherin der Park- und Naturbehörde. „Wichtig ist, dass wir der Natur helfen.“