Gedenken

„Wenn er sich wohlfühlt, fängt er an zu singen“

Der frühere Ministerpräsident litt seit 2003 an Alzheimer

Am Ende wurde seine Welt da draußen auf dem Gut in Beinhorn bei Hannover immer kleiner. Von Tag zu Tag ein Stückchen mehr. Betreuung rund um die Uhr war notwendig, berichtete seine Tochter 2012. Ernst Albrechts letzte Lebensdekade war geprägt von seiner Krankheit. Der frühere CDU-Ministerpräsident von Niedersachsen, bekannt für sein breit strahlendes Lächeln, litt seit 2003 an Alzheimer und fortschreitendem Gedächtnisverlust.

Seine Tochter, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU), zog deswegen 2007 mit ihrer Familie zurück in ihr Elternhaus zu ihrem Vater. Sie ging sehr offen mit seiner Krankheit um. „Sie müssen lernen, mit den Skurrilitäten zu leben. Wenn er sich wohlfühlt, fängt er an zu singen – auch im Restaurant“, berichtete von der Leyen.

Mehr als 30 Enkelkinder

Zu seinem 80. Geburtstag im Sommer 2010 gab der damalige niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff ihm zu Ehren einen Empfang im Gästehaus der Landesregierung. Damals sagte Albrecht: „Ich bin nur erfüllt von Dankbarkeit. Ich bin dankbar für mein ganzes Leben.“ Er hatte mehr als 30 Enkelkinder.

An der Spitze des Landes Niedersachsen stand der Christdemokrat von 1976 an insgesamt 14 Jahre. Am 13. Mai 1990, kurz vor seinem 60. Geburtstag, verlor Albrecht die Landtagswahl. Er musste seinen Ministerpräsidenten-Sessel räumen, für Gerhard Schröder (SPD).

Bevor Albrecht zur Politik kam, war der Sohn einer Heidelberger Arztfamilie nach dem Diplom als Volkswirt bei der EU in Brüssel als Generaldirektor beschäftigt. 1971 wechselte er in die Chefetage des hannoverschen Bahlsen-Konzerns. Anfang 1976, mitten in der Wahlperiode, wurde er überraschend mithilfe von Überläufern aus dem SPD-Regierungslager zum ersten CDU-Ministerpräsidenten in Niedersachsen gewählt. Ende der 70er-Jahre konkurrierte er zeitweise mit Franz-Josef Strauß um die Unions-Kanzlerkandidatur für 1980.