Extremismus

80 Prozent der Palästinenser für Anschläge auf Israel

Neue Studie zeigt: Sorge um Felsendom und Al-Aksa-Moschee erhöht die Gewaltakzeptanz

Die große Mehrheit der Palästinenser sorgt sich um den Erhalt des von ihnen als „Das Edle Heiligtum“ verehrten Tempelbergs in Jerusalem mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee. Die Unterstützung für einen dritten Palästinenseraufstand (Intifada) oder Anschläge von Einzeltätern mit Autos oder Messern hat in den letzten drei Monaten zugenommen. Dies belegt eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts PSR, die das Palästinensische Zentrum für Politik und Meinungsforschung am Dienstag veröffentlichte.

Von Mittwoch bis Samstag vergangener Woche befragte das Institut in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung an 127 Orten im Westjordanland und im Gazastreifen 1270 erwachsene Palästinenser. Die statistische Abweichungsmarge wurde mit drei Prozent angegeben.

56 Prozent unter den Befragten zeigten sich demnach überzeugt, dass Israel den islamischen Felsendom und die Moschee abreißen wollen, um an ihrer Stelle den Jüdischen Tempel wieder zu errichten; weitere 21 Prozent glauben, Israel wolle das Hochplateau in der Altstadt aufteilen, um den Tempel neben den heiligen islamischen Stätten zu bauen; neun Prozent sagen, Israel wolle ein Gebetsrecht für Juden auf dem Berg durchsetzen und nur sechs Prozent glauben, dass auch Israel den Status quo erhalten will.

Popularität der Radikalen steigt

Gesetzesinitiativen zur Änderung des Abkommens, auf dessen Grundlage das Al-Aksa-Gelände von einer muslimischen Stiftung verwaltet wird, und demonstrative Besuche von rechtsgerichteten israelischen Politikern hatten in den letzten Monaten in Jerusalem wiederholt Zusammenstöße ausgelöst. Diese gipfelten in tödlichen Attacken mit Fahrzeugen auf Passanten und einem Anschlag auf eine Synagoge.

Bei der PSR-Umfrage erklärten 80 Prozent der Befragten, solche Attacken seien gerechtfertigt. Zugleich stieg die Unterstützung für einen bewaffneten Palästinenseraufstand auf 56 Prozent; bei der vorangegangenen Umfrage vor drei Monaten waren es 50 Prozent und vor sechs Monaten, also vor dem Gaza-Krieg, 41 Prozent.

Wegen des Streits um den Tempelberg und als Folge des siebenwöchigen Gaza-Kriegs im Sommer ist die Popularität der radikalen Palästinensergruppen weiter hoch. Obwohl sich in den letzten drei Monaten der Zuspruch für Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und seine säkulare Fatah-Partei den Werten für die radikalislamische Hamas und ihren Führer Ismail Hanija wieder leicht angenähert hat, „würde die Hamas heute Parlamentswahlen und Hanija eine Direktwahl des Präsidenten gewinnen“, bemerkte PSR-Direktor Khalil Shikaki. Momentan sind nur noch 35 Prozent mit der Leistung von Abbas zufrieden.

Stark gesunken sind zugleich die Hoffnungen auf eine Aussöhnung der wichtigsten Palästinensergruppen. Daran glauben nur noch 40 Prozent der Befragten, gegenüber 52 Prozent vor drei Monaten. Zugleich sprechen sich aber 46 Prozent der Palästinenser dafür aus, dass die Einheitsregierung die Kontrolle über den Wiederaufbau des Gazastreifens übernimmt; 35 Prozent wollen, dass die Hamas die Aufsicht behält.