Kriegsverbrechen

Gericht lehnt SS-Prozess gegen 89-Jährigen ab

Mehr als 70 Jahre nach dem SS-Massaker im französischen Oradour-sur-Glane ist die Staatsanwaltschaft Dortmund mit dem Versuch gescheitert, einen heute 89-Jährigen wegen des Kriegsverbrechens vor Gericht zu stellen.

Das Landgericht Köln lehnte am Dienstag die Eröffnung des Hauptverfahrens ab, da dem Rentner die Anklagevorwürfe wahrscheinlich nicht nachzuweisen seien. Die Staatsanwaltschaft ließ offen, ob sie gegen die Entscheidung Beschwerde einlegen wird.

Bei dem Massaker im zentralfranzösischen Oradour-sur-Glane waren am 10. Juni 1944 insgesamt 642 Zivilisten von SS-Soldaten ermordet worden, darunter 452 Frauen und Kinder. Nur wenige Einwohner überlebten das Massaker, an dem mindestens 120 Soldaten der 3. Kompanie des SS-Panzergrenadierregimentes „Der Führer“ beteiligt waren, die zur 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ gehörten. Die Division war nach schweren Verlusten an der Ostfront nach Südwestfrankreich verlegt worden.

Wegen des Massakers hatte die für die Verfolgung von NS-Verbrechen zuständige Staatsanwaltschaft Dortmund den Kölner Rentner im Januar angeklagt. Sie wirft dem Mann vor, gemeinsam mit anderen Mitgliedern seiner Kompanie 25 Menschen ermordet zu haben. Zudem wird ihm Beihilfe zum Mord an Hunderten weiteren Menschen zur Last gelegt. Der Rentner gab laut Kölner Landgericht an, er sei bei dem Massaker in Oradour-sur-Glane zwar anwesend gewesen, habe aber weder geschossen noch Bewachungs- oder Transportaufgaben übernommen. Diese Darstellung des Mannes werde „mit den zur Verfügung stehenden Beweismitteln voraussichtlich nicht zu widerlegen sein“, befand das Gericht. Zur Begründung verwies die Strafkammer unter anderem darauf, dass keiner der vernommenen Zeugen den heute 89-Jährigen mit den Geschehnissen in Oradour-sur-Glane in Verbindung gebracht habe und dass sein Name in keiner Vernehmung Erwähnung finde.