Kommentar

Die Panik der Kopflosen

Torsten Krauel über den Flirt der CDU mit der AfD

Einzelne, womöglich aber gar nicht so wenige CDU-Führungspersonen sind gerade dabei, einen großen Fehler zu machen. Sie flirten mit dem Gedanken, die AfD als Koalitionspartner in Betracht zu ziehen. Wie es bei einem Flirt so ist, gibt es dazu keine öffentlichen Äußerungen, nicht einmal private. Was es gibt, ist eine gewisse Gewundenheit, wenn die Frage aufkommt, ob die AfD wirklich außerhalb aller Koalitionsüberlegungen stehe, wie es die Bundespartei verkündet. Man schaut sich hier und da die Umfragen an, sieht die FDP als kaum noch wahrnehmbaren Bodensatz, betrachtet die fünf bis acht Prozent der AfD, rechnet Rot und Schwarz beziehungsweise Rot und Rot und Grün zusammen – und dann fangen manche in der CDU offenbar an, sich einen Ausweg aus der ungeliebten CDU/SPD-Variante zusammenzuträumen.

Vor solchen Gedankenspielen kann nur gewarnt werden. Es mag ja sein, dass die AfD für einige CDU-Mitglieder wie eine bundesweite CSU aussieht. Es sind genügend frühere CDU-Anhänger zu Bernd Luckes zerstrittener Jungpartei gegangen. Den Weggang mit der Aussicht auf Kabinettsposten zu belohnen, wäre jedoch eine Kapitulation der CDU. Die AfD hat das erklärte Ziel, die Politik der Union auf fast allen Feldern zu konterkarieren, besonders bei den Themen Euro und Russland. Wenn Christdemokraten sie dafür belohnen möchten, säen sie weltweit Zweifel an Angela Merkels Durchsetzungsfähigkeit. Deutschland hat sich in der globalen Politik eine Position erobert, in der eine Landtagskoalition mit Merkels Gegnern ein Sack Reis wäre, dessen Umfallen bis nach Washington und Peking hallt. Die weltweite Autorität der Bundesrepublik ist zu wichtig, um sie der Augenblickslaune von Landespolitikern zu opfern. Das gilt auch für die Idee, Zuwanderern die Sprache in der Familie vorzuschreiben. Gilt das für Türkisch, fallen Dänisch und Chinesisch darunter, wie ist es mit Sorbisch oder Friesisch? Wer solche Vorhaben propagiert, kann sich die Grundrechte aussuchen, die er gefährdet – von der freien Entfaltung der Person bis zum Verbot der Benachteiligung aufgrund der Herkunft. Unglaublich, zu welchen Ideen mancher fähig ist, den das AfD-Strohfeuer in Panik versetzt. Mit Kopflosigkeit lindert man keine Kopfschmerzen, schon gar nicht als Regierungspartei. Wer auch immer von einer AfD träumt, die es so nicht gibt: Diese Jungpartei gerät auf seifenglattem Boden derzeit schwer ins Schleudern. Möchte jemand aus der CDU noch schnell aufspringen? Viel Spaß, und gute Reise.