Terror

Boko Haram droht mit Ermordung eines Deutschen

Lehrer aus Bayern offenbar schon am 16. Juli entführt

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hält offensichtlich einen deutschen Lehrer gefangen und droht, ihn umzubringen. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, hat sich der Topterrorist Abubakar Shekau mit einer Videobotschaft an den Westen gewandt und damit bestätigt, was in Berliner Sicherheitskreisen schon länger befürchtet wurde: „Wir halten euren Deutschen gefangen!“ Man könne ihn „zerhacken, abschlachten oder erschießen!“ Von wann das Video stammt, ist unklar. Die Deutsche Welle hatte bereits im November darüber berichtet. „Denkt daran, wir haben immer noch eure deutsche Geisel“, droht Shekau darin weiter.

Eberhard N. war aus Bayern nach Gombi im Nordosten Nigerias gekommen, um junge Erwachsene im Umgang mit technischem Gerät zu unterrichten. Dort wurde er bereits am 16. Juli von Boko Haram entführt. Augenzeugenberichten zufolge hätten ihm Unbekannte eines Morgens vor dem Haus aufgelauert. „Es war ein Hinterhalt! Der Deutsche wollte gerade in sein Auto steigen, als vier Terroristen auf ihn zukamen, ihn mit Waffen bedrohten und dann mit Motorrädern verschleppten!“, zitiert die Zeitung den Zeugen, einen Dorfbewohner aus Gombi. Eberhard N. sei bei den Einwohnern sehr beliebt gewesen: „Er hat nach der Arbeit in der Schule geholfen, unsere Wasserleitungen zu reparieren – und dabei alle Geräte und Werkzeuge selbst gezahlt!“

Bekannte beschreiben den ehemaligen Bundeswehrsoldaten und Vater einer erwachsenen Tochter gegenüber „Bild“ als einen „sehr warmen und herzlichen Menschen“. Als Schulleiter und Entwicklungshelfer war er in den vergangenen Jahren immer wieder in Nigeria unterwegs. Ob es sich bei den Entführern von Eberhard N. bereits um Kämpfer der Boko Haram oder um Kriminelle handelte, die den Familienvater später an die Islamisten verkauften, ist offenbar noch unklar. Auch über eventuelle Forderungen der Terroristen sei noch nichts bekannt, schreibt „Bild“. Das Auswärtige Amt in Berlin nehme den Fall aber sehr ernst und habe bereits einen Krisenstab gebildet.

Die Terrormiliz Boko Haram versetzt Nigeria seit Monaten in Angst und Schrecken. Erst am Montag waren bei einem Angriff im Nordosten mehr als 150 Sicherheitskräfte und Zivilisten getötet worden. Rettungskräfte und Ärzte berichteten, nach der Attacke auf die Stadt Damaturu seien 115 Leichen ins Krankenhaus gebracht worden. Darüber hinaus wurden sechs Soldaten und 38 Polizisten getötet, so die Polizei.