Energiewirtschaft

Was kostet der Abriss der Atomkraftwerke?

Fraglich ist, ob die Energiekonzerne genug Geld zurückgelegt haben

Mit der Ankündigung des Eon-Konzerns, fast die gesamte Stromerzeugung aus Atom, Gas und Kohle in eine neue Gesellschaft auszulagern, wächst die Sorge, was mit den milliardenschweren Rücklagen geschieht. Das Unternehmen wollte damit ursprünglich die Entsorgung seiner Atommeiler bezahlen. Wo bleibt das Geld nun?

Wie hoch sind die Rücklagen?

Insgesamt haben die vier großen Energiekonzerne Eon, EnBW, RWE und Vattenfall rund 36 Milliarden Euro zurückgelegt, Eon alleine rund 14,5 Milliarden Euro.

Wo steckt das Geld?

Die Unternehmen haben es angelegt, unter anderem in Beteiligungen an Stadtwerken. Fraglich ist, ob diese stets so viel wert sind wie angegeben.

Wie sicher sind die Rücklagen?

Eon-Chef Johannes Teyssen hat versichert, dass die Rücklagen komplett in die neue Gesellschaft übergehen werden. Kein anderer Atomkonzern weltweit, so Teyssen, habe höhere Rücklagen gebildet. Ex-Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) indes glaubt, dass die Rückstellungen nicht ausreichen, sollten die profitablen Teile aus dem Konzern herausgelöst werden. Am Ende müsste dann der Steuerzahler die Zeche zahlen.

Was kann die Bundesregierung tun, um die Rücklagen zu sichern?

Trittin sieht die Bundesregierung in der Pflicht, „jetzt umgehend eine realistische Höhe der Entsorgungskosten“ zu ermitteln. Im Zweifel müsste Eon zu höheren Rückstellungen verpflichtet werden, „bevor das Geld weg ist“, sagte Trittin der Morgenpost. Er plädiert für einen öffentlich-rechtlichen Entsorgungsfonds.

Was genau soll mit den Rücklagen bezahlt werden?

Das Geld wird gebraucht, um den Abriss der Atommeiler zu finanzieren. Das kann unerwartet teuer werden. Am Kernkraftwerk Stade etwa wurde am Betonsockel unerwartet hohe Strahlung gemessen. So verzögern sich die Arbeiten um Jahre.

Was kostet der Rückbau?

Die Kosten variieren je nach Reaktortyp zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro. Erschwert wird der Rückbau dadurch, dass beim Bau der Kernkraftwerke noch nicht mitgeplant wurde, wie die Anlagen später einmal sicher abgerissen und entsorgt werden sollen.

Reichen die Rücklagen aus?

Eine Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft kommt zu dem Schluss, dass die Rückstellungen bei einer Realverzinsung von zwei Prozent ausreichen könnten. Allerdings sollte die Transparenz verbessert werden.