Gedenken

Zentralratspräsident kritisiert Auswahl für die Stolpersteine

Es ist kein grundsätzlicher Streit um das „Stolperstein“-Projekt des Künstlers Gunter Demnig, den der neue Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, am Montag losgetreten hat.

Das Ganze sei ein tolles Projekt, man verbeuge sich beim Lesen der Steine vor den Opfern des Naziregimes, sagte Schuster. Er könne allerdings nicht ganz nachvollziehen, weshalb Demnig seit einiger Zeit auch Steine für Opfer des NS-Terrors verlege, die diesen überlebt hätten – und weshalb er zum Teil die Terminologie der Nazis für Inschriften verwende.

Schuster sagte, ihm käme es merkwürdig vor, wenn zum Beispiel ein Stolperstein für seine Großmutter verlegt würde, die die Schoah überlebt habe. Die Überlebenden könnten viel besser selbst ihre Geschichte erzählen. Regelrecht verstört habe ihn aber, dass Demnig auf einigen Stolpersteinen die Naziterminologie verwendet. Auch wenn er Begriffe wie „Rassenschande“ in Anführungszeichen setze, seien die Angehörigen der Opfer durch die Wortwahl „oft tief verletzt“, betonte Schuster.

Künstler Gunter Demnig zeigte sich am Montag überrascht von der Kritik. Zum einen verlege er schon seit mehr als zehn Jahren auch Steine für geflohene Naziopfer und auch die Steine mit den Nazibegriffen seien nicht neu. „Ich fände es seltsam, wenn man die Opfer des Naziterrors in Opfer erster und zweiter Klasse einteilt“, sagte er. Die einen seien ermordet worden, die anderen vor dem Terror geflohen. Dass er Nazibegriffe für die Inschriften verwende, sei Aufarbeitung eines Stücks deutscher Geschichte. „Diese Schandurteile, mit denen die Opfer gedemütigt wurden, muss man doch benennen“, sagte er.

Noch in diesem Jahr wird voraussichtlich der 50.000. Stolperstein bundesweit verlegt. Dies sei eine enorme Leistung, so Schuster. Er ist seit Jahren ein Befürworter der „Stolpersteine“ – anders als etwa seine Amtsvorvorgängerin Charlotte Knobloch, die das Projekt ablehnt.