Kommentar

Die Frauenquote ist nur ein Anfang

Beate Kranz über das 30-Prozent-Ziel für große Konzerne

Endlich ist das monatelange Gezerre vorbei. Deutschland soll ab 2016 eine gesetzliche Frauenquote für die Besetzung von Aufsichtsräten großer Unternehmen erhalten. Eigentlich ist es ein Armutszeugnis für unser Land im 21. Jahrhundert, dass dieser Schritt zu mehr Präsenz von Frauen in Spitzenpositionen per Gesetz auf den Weg gebracht werden muss. In der viertgrößten Volkswirtschaft der Welt sollte es längst eine Selbstverständlichkeit sein, dass Konzerne in einem ausgeglichenen Verhältnis von Männern und Frauen geführt werden.

Doch die Erfahrung hat gezeigt: Jahrelange Appelle an die Führungsetagen und freiwillige Selbstverpflichtungen von Unternehmen haben keine Früchte getragen. Der erhoffte Erfolg, dass deutlich mehr Frauen in Vorstände und Aufsichtsräte befördert werden, stellte sich nicht ein. Vor diesem Hintergrund ist der Schritt der Großen Koalition konsequent und überfällig. Ob die Vorgaben ausreichen, einen tiefgreifenden Wandel in der Arbeitswelt einzuleiten, ist zu bezweifeln. Aber immerhin werden die Weichen in die richtige Richtung gestellt – zu mehr Gleichberechtigung.

Große Euphorie ist nicht angesagt. Die Quote alleine wird nicht zu einer völlig neuen Konzernwelt führen. Dazu geht die Vereinbarung nicht weit genug. Betroffen sind nur gut 100 börsennotierte Unternehmen. Vom übernächsten Jahr an sollen sie 30 Prozent der Aufsichtsratssitze mit Frauen besetzen, also in der Regel ein bis drei Frauen neu berufen. Die neue Quotenregelung kann deshalb nur ein Anfang sein. Damit Frauen künftig stärker in Top-Positionen vertreten sind, bedarf es eines grundlegenden Kulturwandels. Einen, der die Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern und in Familien neu definiert, in dem Gleichberechtigung tatsächlich gelebt wird. Noch immer sind es heute die Frauen, die sich mehrheitlich um die Kindererziehung kümmern und dafür einen Karriereknick akzeptieren. Bislang nutzen noch viel zu wenige Väter ihre Elternzeit – und wenn, dann oft nur für zwei Monate. Eine paritätische Aufteilung der Paarpflichten könnte hier Wunder wirken, erst recht, wenn diese auch von Firmenchefs gelebt würde. Flexible Arbeitszeitmodelle müssten für Männer und Frauen zum Regelangebot zählen. Zudem braucht das Land Vorstände, die mehr Hochschulabsolventinnen und Fachfrauen einstellen. Dies sind nur einige Stellschrauben für mehr Frauenpräsenz an der Spitze. Wir alle haben es in der Hand, an ihnen zu drehen – wenn wir es nur wollen.