Ernährung

Zu viel Fleisch, zu wenig Fisch

Neue Studie zeigt Defizite beim Schulessen von Kindern und Jugendlichen

Pommes Frites mit Ketchup, Pizza, Fischstäbchen oder auch Spaghetti mit Tomatensauce – das sind die Klassiker, die Kindern immer schmecken – auch beim Mittagessen in der Schule. Doch Geschmack allein genügt Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) nicht. „Als Ernährungsminister ist es mir wichtig, für gesunde und maßvolle Ernährung zu werben“, sagte Schmidt. Und das beginne schon bei der Verpflegung in den Schulen: „Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder Qualität auf den Teller bekommen.“

Um dieses Versprechen an die Eltern einlösen zu können, hat Schmidt am heutigen Dienstag zum ersten „Bundeskongress Schulverpflegung“ nach Berlin eingeladen. Rund sechs Millionen Kinder essen inzwischen täglich in der Kita oder in der Schule. Doch die Qualität der Speisen lässt oft zu wünschen übrig. „Es gibt noch viel zu tun“, sagt Schmidt. „Hier müssen wir ran.“ Wie dringend der Handlungsbedarf ist, belegt eine Studie im Auftrag des Ernährungsministeriums, die auf dem Kongresses vorgestellt werden soll.

Jedes zweite Essen bemängelt

Danach enthält die Schulverpflegung oft viel zu wenig Gemüse und deutlich zu viel Fleisch. Auch Seefisch wird zu selten angeboten. Für die Studie wurden bundesweit 760 Speisepläne ausgewertet. Jeder zweite entsprach nicht den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). „Nach wie vor kommt Fleisch noch zu häufig in den Gerichten vor“, heißt es in der Studie, die der Morgenpost in Auszügen vorliegt. Auch werden in vielen Schulen häufiger als von der DGE empfohlen süße Hauptgerichte angeboten.

Die Folgen einer unausgewogenen Ernährung mit zu viel Fett und Zucker sind in Deutschland bereits unübersehbar. Schon 15 Prozent aller Drei- bis 17-Jährigen sind übergewichtig; jeder zweite bis dritte davon ist sogar stark übergewichtig bis fettleibig. Und die überflüssigen Pfunde werden die Kinder und Jugendlichen später nur schwer wieder los. Bereits jeder zweite Erwachsene ist zu dick und hat ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Diabetes oder Krebs.

Die Essgewohnheiten für das ganze Leben werden in den ersten Lebensjahren geprägt. Deshalb will Schmidt sich beim Thema Ernährung jetzt besonders um die jüngere Generation kümmern: „Jeder muss Verantwortung übernehmen – zunächst einmal die Eltern, dann sicherlich auch die Politik, die Wirtschaft, die Kitas und Schulen.“ Und weil heute immer mehr Kinder den ganzen Tag in der Schule verbringen, bekommt die Schulverpflegung eine immer größere Bedeutung. Die Studie zeigt, wo Verbesserungen dringend notwendig sind.

So wird in mehr als 50 Prozent der Grundschulen nur ein Mittagsmenü angeboten. Bei den weiterführenden Schulen sind es noch 25 Prozent. Nur in 16 Prozent der Grundschulen und 27 Prozent der weiterführenden Schulen können die Kinder und Jugendlichen zwischen mehr als zwei Menüs wählen.

Auch der Preis für ein Mittagessen schwankt je nach Bundesland zwischen 1,50 und 3,27 Euro für die Grundschulen und 1,50 und 3,68 Euro für die weiterführenden Schulen. Für eine Mahlzeit nach DGE-Standards müssen jedoch mindestens drei Euro veranschlagt werden. DGE-Präsident Professor Helmut Heseker kritisiert auch, dass bei der Schulverpflegung noch zu sehr auf den Preis geachtet wird und die Qualität nur eine untergeordnete Rolle spielt. Bei den Verantwortlichen fehle oft noch die „Sensibilität für gute Schulverpflegung“, sagte Heseker. Der Schulverpflegungskongress soll dazu beitragen, das zu ändern.

Sabine Schulz-Greve von der „Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Berlin“ sieht in dieser Neuordnung einen entscheidenden Schritt „weg vom Preiswettbewerb hin zum Qualitätswettbewerb“. Am 1. Februar dieses Jahres startete das neue Mittagessen an allen Berliner Grundschulen zu einem einheitlichen Preis von 3,25 Euro pro Portion. Es wurden mit 22 Anbietern Verträge über täglich 88.000 Mittagessen geschlossen, mit einem jährlichen Auftragsvolumen von 47 Millionen Euro. Vertraglich festgelegt sei auch ein hoher Anteil von Bio-Lebensmitteln, sagte Schulz-Greve. Mit 40 Prozent Bio bezogen auf die Kosten sei Berlin die „Bio-Hauptstadt beim Schulessen“.

Die Studie zur Schulverpflegung ist ein erster Schritt, um dem Kampf gegen Übergewicht, wie Schmidt es angekündigt hat, „neuen Schwung“ zu verleihen. Aufklärung soll aber nicht erst in der Schule beginnen. „Ziel muss sein, die gesamte Ernährung vom Kindergarten an neu auszurichten“, sagte Schmidt und kündigte an: „Ich bin zum Beispiel sehr dafür, das Schulobstprogramm auch auf Kindergärten auszudehnen. Dann lernen schon die Jüngsten, wie schmackhaft Obst sein kann.“