Recht

Erdogan ist gegen Gleichberechtigung von Mann und Frau

Die türkische Regierung will zeigen, wie ernst sie es mit Frauenrechten und dem Schutz vor Gewalt gegen Frauen meint.

Deshalb organisierte das Familienministerium zusammen mit der Frauenorganisation Kadem (Frauen und Demokratie) eine Konferenz, die Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan persönlich eröffnete. Er tat dies an einem Tag, als eine Nachricht deutlich machte, wie dringend über das Thema gesprochen werden muss: Die Zeitung „Cumhuriyet“ berichtete, allein in diesem Jahr seien bislang 260 Frauen von ihren Männern, Ex-Männern oder Lebenspartnern ermordet worden. Im vergangenen Jahr habe es 214 Todesopfer gegeben.

Dabei schließen diese Zahlen nicht jene Morde ein, bei denen vor allem junge Frauen oder Mädchen von ihren eigenen Familien umgebracht werden, weil sie beispielsweise Jeans tragen oder mit einem Mann gesprochen haben. Auch da geht der Trend nach oben. Der Handlungsbedarf ist also groß, und so wurde Erdogans Rede mit Spannung erwartet. Was aber tat er? Er verteidigte die Logik, die hinter der Gewalt gegen Frauen steckt. Die besagt, dass Frauen ihren Männern gegenüber Pflichten haben – die Ehre ihres Mannes und der Familie „rein“ zu halten, und Kinder zu gebären. Werden diese Pflichten verletzt, kann es „nötig“ werden, sie umzubringen.

„In unserer Religion haben Frauen Pflichten“, sagte Erdogan, und schlug damit genau jenen Ton an, den auch viele „Ehrenmörder“ bemühen. Zuvor hatte bereits sein Stellvertreter Bülent Arinc gesagt, „Keuschheit“ sei sehr wichtig und Frauen sollten wissen, was sie nicht tun dürfen – zum Beispiel in der Öffentlichkeit lachen. Als eine solche „Pflicht“ nannte Erdogan vor allem, Mutter zu werden und Kinder großzuziehen. „Aber Feministen verstehen das nicht“, sagte er. „Sie lehnen die Idee von Mutterschaft ab.“ Das mache aber nichts, denn „uns genügen jene, die es verstehen“. Gleichheit zwischen Mann und Frau? Das könne es nie geben, denn es sei wider die Natur. Gleichwertigkeit, das sei erstrebenswert. Aber nicht Gleichheit. Frauen seien etwa für viele Arbeiten nicht geeignet.