Militär

Bundeswehr zwischen Apotheke und Schuhladen

Am Bahnhof Friedrichstraße eröffnet die Truppe einen Showroom

Einen belebteren Ort hätte die Bundeswehr für ihren ersten Showroom kaum finden können. Direkt vor einem der wichtigsten Bahnhöfe Berlins, wenige Schritte von der Einkaufsmeile Friedrichstraße entfernt, zwischen einem Schuhgeschäft und einer Apotheke hängt nun eine Leuchtschrift mit dem Slogan „Bundeswehr – Wir. Dienen. Deutschland.“. Daneben prangt ein Eisernes Kreuz, das Symbol der Truppe. Drinnen steht eine Schaufensterpuppe mit Sonnenbrille, Stahlhelm und Kampfmontur.

An einer Wand hängt ein Bild von einer Fregatte, an einer anderen ein Monitor. So richtig viele Showeffekte gibt es nicht. Trotzdem scheint die Bundeswehr ziemlich stolz zu sein auf ihre neueste Errungenschaft für die Nachwuchsrekrutierung, die seit dem Ende der Wehrpflicht vor gut drei Jahren immer schwieriger geworden ist. Als einen „modernen Ort für unkomplizierten Kontakt mit der Bundeswehr“ preist eine Pressemitteilung den Showroom.

Vor dieser neuen Kontaktbörse steht am Mittwochmorgen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und versucht zu erklären, worum es hier geht. Die drei Dutzend Journalisten, die sie umringen, können sie allerdings nicht verstehen, weil 20 Demonstranten auf der anderen Straßenseite immer wieder skandieren: „Kein Werben fürs Sterben“.

Die Ministerin kommt gerade von einer Kabinettssitzung im Kanzleramt. Die Runde hat beschlossen, das militärische Engagement in Afghanistan fortzusetzen. Der Einsatz am Hindukusch ist die tödlichste Mission in der Geschichte der Bundeswehr. In 13 Jahren kamen dort 55 deutsche Soldaten ums Leben. Jetzt soll die Truppe zwar nicht mehr selbst die aufständischen Taliban bekämpfen, sondern nur noch die afghanischen Streitkräfte für diesen Kampf ausbilden. Gefährlich bleibt es für die Soldaten trotzdem.

Das Risiko kennt auch Natalie Bianchini, die am Mittwoch zu den ersten Besuchern des Showrooms zählt. Die 23-Jährige steht dem Afghanistan-Engagement zwar skeptisch gegenüber. Trotzdem würde sie einen Einsatz am Hindukusch in Kauf nehmen. Für die Kellnerin zählt vor allem eins: ein solider Job. „Es gibt 100 verschiedene Möglichkeiten bei der Bundeswehr und man ist abgesichert“, sagt sie. Von der Leyen kämpft unterdessen vor den Kameras weiter tapfer gegen die Beschallung von der anderen Straßenseite an. Unter den Demonstranten sind auch Bundestagsabgeordnete der Linken. „Uns ist auch wichtig, die Auseinandersetzung zu suchen“, sagt die Ministerin. „Wenn man versucht, den anderen niederzuschreien, dann hat man schlechte Argumente.“