Kommentar

Unverbesserlich und unreformierbar

Tim Röhn über die Versuche, Licht in die Geschäfte der Fifa zu bringen

Die Erwartungen an den Ethikbericht des Fußball-Weltverbandes Fifa waren hoch, hatte doch Michael Garcia, der Chefermittler, durchblicken lassen, dass er fündig geworden war. Nichts weniger als die Frage galt es zu beantworten, ob sich Russland und Katar die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gekauft hatten. Entsprechend groß war die Enttäuschung, als die Fifa diese Woche das Ergebnis der Untersuchung bekannt gab: Alles sei weitgehend sauber gelaufen. Dass die Russen Beweisstücke vernichtet hatten und ein reicher Katarer ein paar Millionen US-Dollar an Fifa-Funktionäre verteilt hatte, fiel nicht ins Gewicht. Garcia wollte sich das nicht bieten lassen: Er protestierte lautstark.

Der Mann an der Spitze aber bleibt beharrlich. Sepp Blatter ist seit 1998 Fifa-Präsident, jegliche Kritik perlt an ihm ab. Beim Kongress in São Paulo im Sommer feierte er sich für den Istzustand der Fifa und stempelte Katar-Kritiker als „Rassisten“ ab. Blatter will 2015 wiedergewählt werden. Kommt es so weit, wäre das ein weiterer Beweis dafür, wie schlimm es um den Welt-Fußballverband bestellt ist. Eine Familie, sagt Sepp Blatter. Eine Mafia, sagen Kritiker.

Zum Alltag im Weltfußball gehört es, dass der brasilianische Fußball-Verband während seiner WM Uhren im Wert von je 25.000 US-Dollar an Fifa-Männer verteilt und das genauso normal findet wie die meisten der Empfänger. Dazu gehört auch, dass sich Franz Beckenbauer im Auftrag des DFB für eine WM in Australien engagiert – obwohl er selbst mit abstimmt hat und objektiv sein müsste. Kurios mutet an, dass Söhne der Fifa-Vorstände Michel Platini und Michel D’Hooghe nach der Vergabe der WM nach Katar Jobs in Unternehmen des Landes bekamen.

Weil das Image des Weltfußballs immer schlechter wurde, beschloss die Fifa 2012 Reformen. Doch Transparenz ist der Feind von Korruption und Vetternwirtschaft. Nur so ist zu verstehen, was diese Woche geschah. Die Fifa wollte die Glaubwürdigkeit des US-Staatsanwalts Garcia für sich nutzen. Man ahnte nicht, dass dieser Mann nach Vorlage des geschönten Berichts wütend die Öffentlichkeit suchen würde. Damit ist das Projekt Ethikkommission zu einem Bumerang für die Fifa und Blatter geworden. Es zeigt sich, dass das Fifa-System nicht reformierbar ist. Es gehört revolutioniert. Die Fifa braucht nicht nur einen neuen Präsidenten, sondern ein komplett neues Team. Eine neue Kultur. Es gibt auch saubere Funktionäre im Weltfußball. Die müssen Mut beweisen und eine Revolution einläuten.