Ukraine-Konflikt

Kiew und Moskau beschuldigen sich gegenseitig

UNO fürchtet Rückfall in Militärkonflikt in Ostukraine

Die Führungen in Russland und der Ukraine haben sich gegenseitig die Schuld für eine Verschärfung der Lage im Bürgerkriegsgebiet Ostukraine gegeben. „Der einzige Grund, warum noch kein offener Krieg begonnen hat, ist die Zurückhaltung der Ukraine“, sagte Kiews UN-Botschafter Juri Sergejew bei einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats in New York. Er warf Russland vor, mit Truppenbewegungen und Waffenlieferungen an die moskautreuen Separatisten eine friedliche Lösung des Konflikts zu torpedieren.

Russland hat Vorwürfe der Ukraine, es bewege seine Truppen im Konfliktgebiet Donbass, als „propagandistische Fälschung“ kritisiert. „Die Technik und das Personal, das die russischen Streitkräfte haben, befinden sich auf dem Gebiet meines Landes und bedrohen Ihr Land nicht“, sagte der russische Diplomat bei den UN, Alexander Pankin, Agenturberichten vom Donnerstag zufolge. Er reagierte vor dem UN-Sicherheitsrat auf Anschuldigungen seines ukrainischen Kollegen, dass Russland mit Panzerkolonnen in das Nachbarland eingedrungen sei.

Aus dem Krisengebiet Donbass berichtete die Pressestelle der ukrainischen „Anti-Terror-Operation“ von mehr als 40 Angriffen auf ihre Einheiten durch die Aufständischen innerhalb von 24 Stunden. Vier Soldaten seien getötet und 18 verletzt worden, teilte das Militär mit. Die Separatisten sprachen von Artillerieangriffen der Regierungstruppen unter anderem in der Großstadt Donezk.

OSZE: Keine Waffen gesehen

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) berichtete am Mittwochabend, innerhalb der vergangenen Woche seien 665 Menschen in Militärkleidung in beiden Richtungen über die russisch-ukrainische Grenze gegangen. Dies sei die bislang höchste beobachtete Zahl seit Beginn des OSZE-Mandats, hieß es. Waffen hätten die Beobachter aber nicht gesehen.

Die UN warnten vor einem endgültigen Aus für die Anfang September in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarte Waffenruhe in der Ostukraine. „Wir sind tief besorgt, dass die schweren Kämpfe der Vergangenheit jederzeit wieder ausbrechen könnten. Das wäre eine Katastrophe für die Ukraine“, sagte UN-Vize-Untergeneralsekretär Jens Anders Toyberg-Frandzen.

Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, sprach von „andauernden und eklatanten Verletzungen“ der Vereinbarungen für eine Beilegung des Konflikts „durch Russland“. Sie bezog sich auf Nato-Berichte über massive Truppenbewegungen Russlands. Kolonnen mit russischen Panzern, Artillerie, Luftabwehrsystemen und Kampftruppen bewegten sich in der Ostukraine, sagte Nato-Oberbefehlshaber Philip Breedlove. Der russische Diplomat Pankin sagte, die Nato-Behauptungen seien nicht durch Fakten belegt.