Die Linke

Gysi wird von Antizionisten bis zur Toilette verfolgt

Video im Netz zeigt Fraktionschef der Linken auf der Flucht

Es ist eine gespenstische Szene, festgehalten auf einem Video: Da jagt ein Mann den Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, durch die Gänge des Bundestags bis hinein in die Toilette. „Wenn ich Drohungen erhalte, übernehmen Sie dann die Verantwortung?“, schreit der Mann Gysi an, bis dieser ihn mit dem Wort „Raus!“ hinausdrängt.

Der „Stalker“ ist der kanadische Publizist David Sheen, der in Israel lebt. Mit dem US-Publizisten Max Blumenthal hatte er ausgerechnet am 9. November, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, in der Berliner Volksbühne auf einer Veranstaltung über die „Kriegsverbrechen Israels“ sprechen wollen. Eingeladen zu dieser Veranstaltung hatten unter anderem die Linke-Bundestagsabgeordneten Inge Höger und Annette Groth. Groth ist auch auf dem Video zu sehen. Mit den Worten „David, please!“ versucht sie, Sheen aus der Toilette zu ziehen. Höger und Groth waren im Mai 2010 auf der „Mavi Marmara“ bei der Gaza-Solidaritätsflottille, die die Gaza-Seeblockade zu brechen versuchte und daraufhin von der israelischen Armee gestürmt wurde, mit dabei gewesen. An Bord waren nachweislich auch Islamisten.

Die Veranstaltung in der Volksbühne fand nicht statt. Denn die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Petra Pau, die wie Höger und Groth der Linken angehört, schrieb mit dem Grünen-Abgeordneten Volker Beck und dem ehemaligen Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) einen Brief an die Volksbühne-Leitung, in dem sie darum bat, die „sehr einseitige bis stark kritikwürdige Veranstaltung in Ihrem Haus“ an diesem sensiblen Datum noch mal zu überdenken. Die Veranstaltung wurde abgesagt.

Höger, Blumenthal und Sheen gaben sich unbeirrt und sprachen zunächst im Freien vor dem Theaterhaus, später dann in einem Café über den „Rassismus“ der israelischen Gesellschaft. Sowohl Sheen als auch Blumenthal sind berüchtigt dafür, die aktuelle israelische Politik mit dem Nationalsozialismus zu vergleichen. Für Montag hatten Inge Höger und Annette Groth die beiden Publizisten im Namen der Fraktion zu einer Veranstaltung in den Bundestag, in den Sitzungssaal der Linken, eingeladen.

Wie die Berliner Morgenpost vergangene Woche berichtete, untersagte Fraktionschef Gysi, als er dies mitbekam, die Veranstaltung. Höger wich mit ihren Gästen daraufhin ins Paul-Löbe-Haus aus, in dem sich Abgeordnetenbüros befinden. Damit wollten sich Sheen und Blumenthal aber nicht begnügen und versuchten, Gysi „zur Rede“ zu stellen. So kam es zu den grotesken Szenen, die Sheen ganz in der Manier der Schulmobbing-Videos nicht nur aufnahm, sondern auch ins Internet stellte.

Am Dienstag wollte die Fraktion über den Vorfall beraten. „Das ist keine Art und Weise, wie man miteinander umgeht“, sagte Sprecher Hendrik Thalheim über die „Verfolgung“. Inge Höger und Annette Groth zeigten sich unterdessen wenig einsichtig. Am Montag veröffentlichten sie gemeinsam mit den Linke-Abgeordneten Heike Hänsel und Alexander Neu sowie weiteren Unterstützern eine Erklärung, in der sie den Brief von Petra Pau und Volker Beck als „völlig inakzeptabel“ anprangern. Sheen und Blumenthal würde Antisemitismus unterstellt, um sie „zum Schweigen zu bringen“. Die Verfolgungsjagd auf Gysi wird darin mit keinem Wort erwähnt.

Es ist nicht das erste Mal, dass in der Linken über Antisemitismus gestritten wird. 2011 etwa wurde erst nach tagelanger Diskussion und als Reaktion auf scharfe Israel-Kritik ein Bekenntnis zum Existenzrecht des israelischen Staates ins Grundsatzprogramm aufgenommen.