Referendum

Auch Pep Guardiola stimmt für die Unabhängigkeit

Wie Tausende andere Katalanen stellte Pep Guardiola sich in eine Warteschlange.

Der Trainer des deutschen Fußballmeisters Bayern München harrte vor einem Wahllokal in Barcelona aus, bis er seinen Stimmzettel in die Urne werfen konnte. Es ging um die Unabhängigkeit Kataloniens, auch wenn es „nur“ eine Volksbefragung war.

„Wenn so viele Menschen abstimmen wollen, gibt es keine Gesetze, die sie daran hindern können“, sagte der FC-Bayern-Coach. Er war nach dem 4:0-Sieg seines Teams bei Eintracht Frankfurt eigens in seine katalanische Heimat geflogen, um an der inoffiziellen Befragung teilzunehmen. Trotz kühler Witterung hatten sich vor den Stimmlokalen in der Region im Nordosten Spaniens lange Schlangen gebildet, die sich mancherorts sogar um mehrere Häuserblocks wanden. „Ich hoffe, mein Traum, Katalonien befreit zu sehen, geht noch zu meinen Lebzeiten in Erfüllung“, sagte eine 74-jährige Rentnerin. Das spanische Verfassungsgericht hatte die Volksbefragung untersagt, nachdem die Madrider Zentralregierung eine Verfassungsklage präsentiert hatte.

Die Katalanen hielten sich nicht an das Verbot. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein und forderte bei der Polizei eine Liste der Verantwortlichen an, die die Schulen und andere staatliche Einrichtungen als Wahllokale zur Verfügung gestellt hatten. „Wenn die Staatsanwaltschaft einen Verantwortlichen sucht, braucht sie nur mich anzuschauen“, sagte Kataloniens Regierungschef Artur Mas. „Ich und meine Regierung sind die Verantwortlichen.“ Mas sagte bei seiner Stimmabgabe: „Trotz der enormen Hindernisse haben wir es geschafft, die Urnen herauszuholen und abzustimmen.“ Bis zum frühen Nachmittag beteiligten sich nach Angaben der Regionalbehörden mehr als eine Million der 5,4 Millionen Wahlberechtigten. Ergebnisse werden für Montag erwartet. Die spanische Regierung erklärte schon vorab, der Ausgang habe keine Bedeutung. Auch in Katalonien gab es kritische Stimmen. „Die Befragung ist ein Betrug und eine Farce“, so die Parteichefin der katalanischen Konservativen, Alicia Sánchez Camacho.