Luftschlag

US-Militär greift IS-Führungskader an

Medien berichten von Luftschlag gegen Elite des Terrornetzwerks im nördlichen Irak

Amerikanische Kampfbomber haben im Nordwesten des Irak einen Konvoi der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) angegriffen. Dabei wurde der IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi offenbar verletzt. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf irakische Militärs berichtet, richtete sich einer der Luftschläge gegen ein mutmaßliches Treffen von IS-Führern in der Nähe der Stadt Qaim.

Die Gegend an der syrischen Grenze liegt im Zentrum des Gebiets, das die Terrorgruppe als neues Kalifat beansprucht. Nach Angaben der irakischen Militärs sind bei dem Angriff zahlreiche islamistische Kämpfer getötet worden, darunter zwei IS-Provinzgouverneure. Es soll sich um den „wali“, also den IS-Regenten der Provinz Anbar, Abu Muhannad al-Sweidawi, und den Gouverneur der syrischen Provinz Deir as-Saur, Abu Sahra al-Mahamdi, handeln. Es gibt Gerüchte, dass auch IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi getötet oder verwundet wurde. Das irakische Militär konnte dies jedoch nicht bestätigen.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums bestätigte unterdessen, dass die amerikanische Luftwaffe gemeinsam mit Verbündeten der Anti-IS-Koalition Luftschläge durchgeführt hätte. Diese hätten sich gegen ein Ziel gerichtet, das man als Ort einer „Zusammenkunft von IS-Führern eingestuft“ habe. Bei dem Angriff sei zudem ein Konvoi von zehn Trucks zerstört worden. Dem Sprecher zufolge fand dieser Angriff jedoch nahe der Stadt Mossul statt. Die irakischen Militärs hatten von einem Angriff bei Qaim gesprochen. Mossul ist von Qaim allerdings fast 300 Kilometer entfernt. Es ist also unklar, ob es sich um denselben Angriff handelte. Experten bezweifeln zudem, dass die IS-Führung gemeinsam in einem Konvoi fährt.

Irakische Soldaten rückten nach Angaben eines Offiziers am Sonntag ins Zentrum der seit Juni von den Extremisten besetzten Industriestadt Baidschi ein. Ganz in der Nähe befindet sich die vom IS belagerte größte Erdölraffinerie des Golfstaats. In Baidschi tobten Augenzeugen zufolge schwere Kämpfe.

Geänderte Strategie

„Ich höre, wie ständig geschossen wird und es laut knallt“, sagte Sultan al-Dschanabi in einem Telefonat. „Das geht seit einer Stunde so ohne Unterbrechung.“ Ein Oberst sagte, die Soldaten seien von Süden und Westen eingerückt und kontrollierten inzwischen etwa 40 Prozent des Zentrums der 200.000-Einwohner-Stadt. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. Die Armee hatte Ende Oktober ihre Strategie geändert und mit Unterstützung schiitischer Milizen und Hubschraubern Baidschi vom Westen her eingekreist.

Ziel ist die Rückeroberung der Stadt. Außerdem sollen die Soldaten verhindern, dass die wenige Kilometer entfernte Raffinerie in die Hände der sunnitischen Extremisten fällt, die ihren Kampf unter anderem mit eroberten Ölvorräten und Produkten finanzieren. Der IS belagert die Anlage seit Sommer. Der Verlust Baidschis wäre ein herber Rückschlag für den IS, für die die Stadt eine wichtige Nachschubbasis ist.

Seit mehreren Wochen bombardieren Kampfbomber der US-Streitkräfte und ihrer Verbündeten Stellungen des IS in Syrien und im Irak, um die Terrorgruppe zurückzuschlagen. Militärexperten bezweifeln, dass es gelingt, die Ausbreitung des IS allein durch Luftangriffe zu stoppen. So erklärt sich die Entscheidung von US-Präsident Barack Obama, weitere 1500amerikanische Soldaten in den Irak zu entsenden, um dort die Ausbildung irakischer Truppen zu intensivieren, die den IS auch am Boden bekämpfen soll.